Erstellt am 26. Februar 2006

Kommentare

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Religionen für mündige Menschen

Kommentare (10)

  1. Comment by Claudia K.

    Lieber Herr König,

    es ist großartig, solche offenen Gedanken zu den innersten Geheimnissen einer Menschenseele hier im Internet zu publizieren. Vielen Dank dafür. Gerne habe ich mir Ihre Webseite unter „Favoriten“ abgespeichert und werde sie studieren. Denn das Ganze ist doch allzu interessant!

    Wie schön, dass auch hier gute Literatur angeboten wird, anders als vieles, was man in den Buchhandlungen findet – etwas, das nicht alltäglich ist.

    Großartige Sache – die man nicht vergessen sollte in dem einen Leben, das man (nur) hat.

    Vielen Dank!

  2. Comment by Gisbert König

    In bisher geführten Diskussionen wurde die von mir gegebene Definition des Begriffs Religion als recht eigenwillig angesehen. Man wollte meiner Unterscheidung zwischen Lebensauffassung und deren Umsetzung im Verhalten gegenüber anderen nicht folgen, sondern beides als Einheit ansehen. Zum Christentum z. B. würden demnach sowohl die Lehre als auch ein Leben nach christl. Grundsätzen gehören. Daraus ergab sich die Konsequenz, dass die erste der von mir dargestellten beiden Religionen (die ohne Gott) lediglich als Lebensauffassung bezeichnet wurde und nicht zugleich als Religion.

  3. Comment by Mitgliedern der Deutschen Buddhistischen Union

    Im Diskussionsforum der Deutschen Buddhistischen Union wurde im Juli 2006 die Einleitung dieser Abhandlung fast vollstängig wiedergegeben und sodann diskutiert. Nachfolgend einige der dortigen Beiträge (Hervorhebungen von G.K.):

    >Alex

    Vor unserem christlich geprägten Hintergrund wundert es mich nicht, dass auf dem Gebiet der Religion mehr Schafe als Freigeister zu finden sind. Die Zwangstaufe und Indoktrinierung in Kinderjahren hinterlässt tiefgreifende Spuren in der Entwicklung. Erst einmal zu erkennen, in welchem Gefängnis man sitzt, und dass durch die Zwangsintegration ein tief in mir selbst enthaltener religiöser Kern vergraben wurde, ist wohl der schwierigste Schritt zur Selbstbefreiung. Dann den richtigen Ausweg zu finden, hat auch etwas damit zu tun, wie neugierig man ist und was man in der Religion zu finden hofft.

    Da gibt es aber auch eine äußere Ebene: Nach Émile Durkheim trägt die Religion (im Sinne von religare als Anbindung oder Verbindung) zur Festigung sozialer Strukturen, aber auch zur Stabilisierung des Einzelnen bei. Aber wie mündig sind solche Kollektive? Welche Prinzipen gelten dort? Ist hier die Selbstbefreiung überhaupt erwünscht?

    Kann also ein wirklich mündiger Mensch sich überhaupt irgendeinem System angliedern wollen?

    >troxos (1)

    Manches aufklärerische Denken folgt folgendem Gedankengang:

    Es gibt Leute, die intelligent, gebildet, kritisch und selbständig genug sind, um autonom und eigenverantwortlich zu agieren, ihre Werte selbst zu setzten und sich dafür zu verantworten. Sie gestalten kreativ ihr eigenes Leben. Das ist der höhere Mensch. Dann gibt es da die dumme, bequeme, faule und träge Masse, die in ihrer Schwäche Moden und Ideologien hinterläuft und sich Führer oder Gurus sucht, weil sie zu selbständigem Denken unfähig ist. Das ist der niedere Mensch. Und das, was er im Leben schafft, ist nichts Höheres, sondern, wie Leonardo da Vinci voller Verachtung sagte, das Füllen von Güllegruben.

    An dieser Stelle gibt es in der Aufklärung einen Bruch in diejenigen, die den niederen Menschen zu höheren erziehen wollen und diejenigen die das aufgegeben haben und den niederen Menschen vom höheren zu seinem eignen Wohl regiert sehen wollen.

    Diese Idelogie vom „höheren Menschen“ schwirrt durch die gesamte abendländische Geistesgeschichte. Mal ist es der „neue Mensch“, mal der Herrenmensch, mal der kapitalistische Unternehmertyp, mal der „sozialistische Mensch“.

    Es gibt viele, die diese Ideologie mit dem Buddhismus verheiraten wollen. Der Buddhismus ist dann die perfekte Idelogie für den intelligenten, reflektierenden, sich selbst gestaltenden und erlösenden Menschen. Im Gegensatz zu den dumpfen Schafen der Glaubensreligionen, lebt er bewusst und bewegt sich hin zum Übermenschen, dem Bodhisattva, der jegliche Dummheit abgeschüttelt und sich perfekt unter Kontrolle hat.

    Diese Vermischung geht davon aus, dass das, was die Aufklärung unter Dummheit und Unmündigkeit verstand, etwas ähnliches ist, wie das, was der Buddhimus unter „Unwissenheit“ versteht. Dass das, was Buddha unter Befreiung verstand, etwas ähnliches ist wie die „Illumination“ der Freimaurer.

    >troxos (2)

    Das Individuum, das aus der Masse ragt, ein Ideal?

    Jemand kann ein sehr einfacher und ungebildeter Mensch sein und Befreiung erlangen. Viele, die in die Klöster kamen, waren Menschen, die überhaupt kein Ideal von einem möglichst autonomen und für sich selbständig denkenden Individuum folgten, sondern sich im Gegenteil brav einfügten. Sie folgten den weltlichen und geistlichen Gewalten, ohne zu murren, und taten demütig, was ihnen befohlen wurde.

    Es gab viele buddhistische Mönche, die aussergwöhnliche, kreative und einzigartige Individuen waren. Aber sie hatten keine Ideolgie von „einzigartigen, kreativen Individuen“, sondern sahen sich im Gegenteil selbst sehr bescheiden als Mönche, die in Spuren ihrer Überlieferung wandelten und ihre Autoritäten hoch achteten.

    Die Sicht, sich selbst als Wissenden inmitten dummer Schafe zu sehen, beinhaltet so viel Stolz, dass sie meines Erachtens sehr unheilsam ist.

    Das, was die Aufklärung als Gegenteil der Dummheit der Massen sieht, ist die Fähigkeit zu reflektieren und rational zu handeln, also die Fähigkeit, seinen Verstand in hohem Masse zu benutzten. Es ist toll, wenn man schlau ist und es hilft einem auch auf seinem spirituellen Pfad. Aber das hat nichts mit der Weisheit und Unwissenheit im buddhistischen Sinn zu tun.

    Wenn man jemanden nimmt, der aus aufklärerischer Sicht vollkommen zu verdammen ist, sagen wir eine alte Frau, die regelmässig nach Altötting wallfahrtet und kritiklos glaubt, was der Papst sagt, die vollkommen an ihrer eigene Beschränktheit, Vergänglichkeit und Nichtigkeit glaubt und von der Liebe zu allem beseelt ist, dann kann diese Frau der Befreiung um einiges näher sein als ich, der ich mich über andere erhaben fühle, wenn ich autonomer, selbständiger und intelligenter als die meisten bin. Es zählen ja nicht Wissen oder Fähigkeiten oder Ansichten selbst, sondern nur im Bezug zu den Handlungen, zu denen sie führen.

    >nanda

    Man soll den Buddhismus nicht über die christliche Kirche stellen, sich also nicht zu den „Erhabenen“ gesellen.

    Im Buddhismus gibts auch komische Sachen, die man nicht glauben kann. besonders, wo Buddhismus auf natur- oder schamanischen Religionen traf und eine Vermischung stattfand. Buddha wurde ja angeblich auch aus der Seite seiner Mutter geboren, war von Anfang an ein Superbaby… das kann ich mir auch nicht vorstellen.

    Es ist gut, viele Religionen zu haben – so, wie es dem jeweiligen Menschen gemäß ist.

    Siddhartha ist eine von Hesse geschaffene Figur, die seiner Interpretation des Buddhismus entspricht.
    Hesses Figuren sind immer auch ein Teil von ihm selbst gewesen; so wie er es verstanden hat, hat er es beschrieben – schön in eine Geschichte verpackt.

    Letztendlich finden sich viele Anregungen in Hesses Siddhartha – eine wunderschöne Dichtung.

    und

    »Religion ist die Art, wie wir uns anderen gegenüber verhalten« bzw. wie wir selbst unsere Welt erleben…

    Ludwig Feuerbach sagte: mit Gott (Religion) wird der Mensch erst zum Menschen.

    Religion kann aus dem Menschen einen „besseren“ Menschen machen.

  4. Comment by Mitgliedern des PhilTalk und des Philosophieraums

    Folgende Aspekte dieser Abhandlung sind im PhilTalk und im Philosophie-Raum  diskutiert worden:

    1. Ist Religion ein Tun und ein Nicht-tun?

    2. Der Gott der Philosophen

    3. Die Enträtselung des Geistes Gottes

    4. Offenbarung als Marketinginstrument

    5. Kann ein Philosoph einer organisierten Religion angehören?

    6. Das fundamentale Bewusstsein (negative Geisteszustände im Buddhismus)

    Leider stehen die Links nicht mehr zur Verfügung

  5. Comment by mondial u.a.

    Einige philosophische Aspekte dieser Arbeit wurden in einem Forum diskutiert. Hier die Zusammenstellung der besten Beiträge:

    http://www.religiosophie.de/best_of_thread.htm

  6. Comment by Wishman

    Eine lesenswerte Homepage!

  7. Comment by Monika Wirthgen

    Nachdem ich mich selber jahrzehntelang mit der Frage beschäftigt habe, was ich denn mit übermenschlicher Transzendenz, Gott, Wahrheit oder ähnlichen „Chiffren“ verbinden könne, resümmierte ich: Menschliches. Menschen werden geboren und sterben, sie sind vergänglich, vergänglich ist das, was sie schaffen, denken, lieben, glauben … etc. Nietzsches Äußerung, dass jeder auf seine Weise zum Fortbestand unserer Gattung beiträgt, liegt m.E. als eine Möglichkeit nahe, einen Gesamtzusammenhang zu schaffen, wenn man derartiges tun möchte. Auch Heisensbergs Gedanke, dass der Mensch sich letztlich immer wieder selber begegnet, hat mich viele Jahre wie ein ‚Floh im Ohr‘ aufstachelnd begleitet. Menschen nehmen das wahr, was Menschen wahrnehmen. Davon gehe ich inzwischen aus. Alles, aber auch wirklich alles, was wir nicht wahrnehmen, führt bereits ins Hypothetische, Theoretische und Spekulative oder in einen dogmatischen Glauben. Hume nannte das „fairy tales“. Zu letzterem scheinen Kulturen zu verführen. Denn Kulturen scheint das Dogma immanent.

    Dein religiöser Beitrag ist m.E. ein durch und durch philosophischer.

    Herzliche Grüße

  8. Comment by SR

    Ein hervorragender Aufsatz !

  9. Comment by Roll

    Fine web-site!

  10. Comment by Artin

    In dem großen alten Buch steht ganz am Anfang: da erkannten sie, sie waren nackt, und schämten sich ihrer Blöße .. .Ja, wenn wir die Unschuld velieren und ins Erwachsenenleben eintreten, passiert genau das. Man verlangt, dass wir uns zu erkennen geben, Regeln anerkennen, Entscheidungen treffen und Verpflichtungen eingehen. Das fällt nicht immer leicht und deshalb tendiert man oft es dem Zufall zu überlassen. Und so stehen wir da und wissen nicht genau, sind unsicher und manchmal schämen wir uns auch. Aber, FALSCH. Sich nicht zu entscheiden ist auch eine Entscheidung, ob wir wollen oder nicht, und muss mit der vollen Verantwortung belastet werden. Natürlich denken wir immer, das war nicht meine Wahl und genau hier liegt der Hund begraben. Wir tragen immer Verantwortung, in jedem Moment für alles was wir tun oder nicht tun. Deshalb hadere nicht! Niemand trifft immer nur richtige Entscheidungen, so was gib es nicht. Was es aber gibt, ist aus falschen Entscheidungen das beste zu machen. Das zeichnet einen aus. Nur so bekommt man tatsächlich etwas von dem drumherum mit. Denk daran Roby, wenn die Katze den vollen Napf vorfindet, macht sie das nicht glücklich, nur satt. Wolltest du satt sein, so wärst du nicht nach Südamerika gereist. Vergiss Buddha und Goethe und nimm dir den alten Trinkerspruch zu Herzen: Was einen nicht umhaut, macht ihn nur stärker .

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