Erstellt am 30. August 2011

Säkulare Spiritualität / Säkulares Philosophieren

Einleitung

Beim Begriff Spiritualität denkt man möglicherweise zunächst an die Befassung mit etwas Übersinnlichem, nicht Wahrnehmbaren, Transzendentem, z. B. Göttern, Weltseele, Seelenwanderung, Nirwana. Demgegenüber möchte ich den Versuch unternehmen, eine Spiritualität aufzuzeigen, die ohne all dieses daherkommt und auf dem Boden der uns umgebenden Realität verbleibt. Ich nenne sie säkulare (weltliche) Spiritualität und meine damit eine Geistigkeit ohne Selbsttäuschungen.

Zunächst gebe ich eine Definition dieses Begriffes, wie ich ihn mir vorstelle, sodann zeige ich auf, womit sich ein in diesem Sinne spiritueller Mensch befasst, wie er vorgeht, welche innere Einstellung ihm dabei zu eigen ist und welche Ziele er verfolgt.

Definition

Säkulare Spiritualität ist eine epistemische und zugleich eine ethische Lebenseinstellung, die allein in der Immanenz nach Sinn, Bedeutung und Werten sucht und dabei von einer Verbundenheit mit anderen Menschen und mit der Natur ausgeht.

Für diejenigen, denen der Begriff Spiritualität zu schillernd und/oder durch esoterische Verwendungen zu negativ besetzt erscheint, formuliere ich:

Säkulares Philosophieren, soweit es auf ein selbstbestimmtes Leben auf der Grundlage eigenen Empfindens und eigenen Nachdenkens gerichtet ist, ist getragen von einer epistemischen und zugleich einer ethischen Lebenseinstellung, die allein in der Immanenz nach Sinn, Bedeutung und Werten sucht und dabei von einer Verbundenheit mit anderen Menschen und mit der Natur ausgeht.

Epistemisch kommt von griechisch epistéme = Erkenntnis, Wissen. Eine epistemische Lebenseinstellung ist somit durch eine umfassende Suche nach Erkenntnissen gekennzeichnet.

Gegenstände des Suchens

Sokrates sagte, das ungeprüfte Leben sei seinen Preis nicht wert. Daraus ergibt sich für einen philosophisch orientierten Menschen das Postulat, die wichtigen Fragen des Lebens zu prüfen, um zu einem bewussten Leben und einer autonomem Lebensführung zu gelangen. Auf der Suche nach Sinn, Bedeutung und Werten stellt er sich Fragen wie etwa die folgenden:

Formen der Erkenntnissuche

Die Erkenntnissuche ist umfassend. Sie ist oder kann sein

  1. theoretisch und nicht-theoretisch
  2. propositional und nicht-propositional
  3. kognitiv und nicht-kognitiv
  4. diskursiv und nicht-diskursiv

Zu 1: Es geht um Erkenntnisgewinnung zum einen durch Betrachtung der Realität und darauf aufbauende weiterführende Überlegungen, zum anderen durch Gefühle initiiert, die einem eine Gewissheit vermitteln, wenn auch zunächst noch ohne eine gesicherte Wissensbasis.

Zu 2: Man hat konkrete Erkenntnisse, die klar zum Ausdruck gebracht und mitgeteilt werden können. Man hat aber auch bestimmte Wahrnehmungen oder Empfindungen, die man nicht in Sprache transformieren, allenfalls andeuten kann, die man aber selbst bei erneutem Auftreten wieder erkennt, eine bestimmte Form von Sprachlosigkeit. Hierzu ein Beispiel aus Hesse Siddhatha:
Bei der Suche nach dem für ihn richtigen spirituellen Pfad begegnet Siddhartha mit seinem Freund Govinda Buddha. Nachdem sie ihn gehört haben, reiht sich Govinda in die Schar seiner Anhänger ein. Siddhartha glaubt in Buddhas Lehre einen Widerspruch zu erkennen, der ihn veranlasst, weiterhin nach seinem Weg zu suchen. Buddha verabschiedet ihn mit den Worten: “Mögest du ans Ziel kommen.“ Das Gleiche wünscht Siddharta den Jüngern des Buddha und fügt hinzu: “Nicht steht mir zu, über eines anderen Leben zu urteilen! Einzig für mich, für mich allein muss ich urteilen, muss ich wählen, muss ich ablehnen.“ Jahrzehnte später begegnen sich Siddharta und Govinda wieder. Jeder ist seinen Weg gegangen. Siddharta hat sein Ziel gefunden, Govinda (noch) nicht. Er fragt seinen Freund: „Hast du eine Lehre? Hast du einen Glauben oder ein Wissen, dem du folgst, das dir leben und recht tun hilft?“ Siddharta muss ihn enttäuschen: „Ich habe Gedanken gehabt, ja, und Erkenntnisse, je und je. Ich habe manchmal Wissen in mir gefühlt, so wie man Leben in seinem Herzen fühlt. Manche Gedanken waren es, aber schwer wäre es für mich, sie dir mitzuteilen. … Weisheit ist nicht mitteilbar. Weisheit, welche ein Weiser mitzuteilen versucht, klingt immer wie Narrheit.“

Ich sehe übrigens insoweit keinen Widerspruch zu Wittgenstein, wenn er sagt: „Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich klar sagen; und wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen.“

Zu 3: Die Erkenntnisverarbeitung erfolgt zum einen denkerisch, zum anderen emotional.

Zu 4: Die Erkenntnissuche folgt zum einen von einer bestimmten Vorstellung zu einer anderen logisch fortschreitend zum anderen intuitiv.

Innere Einstellung bei der Suche

(Hinweis: Die Ausführungen dieses Abschnitts lehnen sich eng an einen von Thomas Metzinger 2010 in Berlin gehaltenen Vortrag mit dem Titel „Spiritualität und intellektuelle Redlichkeit“ an: http://www.religiosophie.de/Metzinger_Berlin_2010.pdf )

Der in dem definierten Sinne spirituelle Mensch ist sich selbst gegenüber aufrichtig, um Irrtum und Täuschung zu vermeiden. Ich spreche insoweit mit Thomas Metzinger von intellektueller Redlichkeit, d. h. der bedingungslosen Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit und Gewissenhaftigkeit gegen sich selbst. Hinzu kommen Wachheit und Achtsamkeit. Intellektuelle Redlichkeit lässt nicht zu, etwas ohne zureichende Belege, Anhaltspunkte oder Indizien zu glauben (John Locke).

Jiddu Krishnamurti (1895-1986, http://de.wikipedia.org/wiki/Jiddu_Krishnamurti ):

„Die einzige Spiritualität ist die Unbestechlichkeit des Selbst, denn diese ist zeitlos. Sie ist die Harmonie zwischen Vernunft und Liebe.“

Weitergehend verweise ich auf den Vortrag von Metzinger, die Folien 13 und 14, in denen Aussagen von Kant wiedergegeben werden, und die erläuternden Texte Metzingers, ferner auf Folie 24, in der er Nietzsche zitiert:

„Wo meine Redlichkeit aufhört, bin ich blind und will auch blind sein. Wo ich aber wissen will, will ich auch redlich sein, nämlich hart, eng, grausam, unerbittlich.“

Ziele

Ziele des philosophisch spirituellen Menschen sind:

Offenheit

Säkulare Spiritualität ist evolutionär, d. h. sie ist offen für neue Erkenntnisse und Argumente und kann sich gesellschaftlichen Veränderungen anpassen. Hierdurch unterscheidet sie sich von einer religiös geprägten Spiritualität. Religiöser Glaube ist philosophisch betrachtet ein Sprung aus der Rationalität ins Absurde und lässt sich daher nicht begründen. Er beachtet nicht das Postulat der intellektuellen Redlichkeit. Zu einem solchen Glauben gelangt man in der Regel durch Indoktrination, meist bereits im 1. Lebensjahr begonnen.

Gegner

Säkulare Spiritualität hat sich zu verteidigen gegenüber Vertretern metaphysischer Glaubenssysteme und den ideologischen Formen des Reduktionismus (http://de.wikipedia.org/wiki/Reduktionismus), die alle nicht wissenschaftlichen Formen des Erkenntnisgewinns aus rein weltanschaulichen Gründen diskreditieren möchten. (Metzinger)

Literaturhinweis

Joachim Kahl hat in seiner Abhandlung

Weltlich-humanistische Spiritualität – die Alternative zu Religion

bereits 2008 ähnliche Gedanken vorgetragen. Er schreibt dort u. a.:

„Die Definitionsmacht zu bestimmen, was unter Spiritualität zu verstehen sei, trete ich nicht an esoterische Publikationen ab. Unter Berufung auf den lateinischen Wortursprung (spiritus = Geist) stelle ich zunächst schlicht fest: Spiritualität heißt Geistigkeit, Geistorientiertheit. Gemeint sei damit: die geistige Einstellung zum Leben, die innere Haltung zur Wirklichkeit, und zwar gemüthaft vertieft, Verstand und Gefühl umgreifend.“ …… „Die unterscheidende Trennlinie zwischen einer weltlich-humanistischen und einer religiösen Spiritualität wird durch deren Inhalte, nicht durch Formen gezogen.“

Hier der ganze Text.

Kommentare (5)

  1. Comment by Existenzphilosoph

    Zitat: »Religiöser Glaube ist philosophisch betrachtet ein Sprung aus der Rationalität ins Absurde und lässt sich daher nicht begründen. Zu einem solchen Glauben gelangt man in der Regel durch Indoktrination, meist bereits im 1. Lebensjahr begonnen.«

    Kant KrV A 822/B 850 »Das Fürwahrhalten, oder die subjektive Gültigkeit des Urteils, in Beziehung auf die Überzeugung (welche zugleich objektiv gilt), hat folgende drei Stufen: Meinen, Glauben und Wissen. Meinen ist ein mit Bewusstsein sowohl subjektiv, als objektiv unzureichendes Fürwahrhalten.«

    Ich verbinde an dieser Stelle das Meinen mit dem spekulativen Dogmatismus oder anders gesagt mit Religion und Offenbarung. Der philosophischen Spiritualität, bzw. dem philosophischen Glauben und der philosophischen Logik können die Gehalte der spirituellen Traditionen gemäß Karl Jaspers als Chiffren dienen. So gesehen kann auch das Bibelstudium den philosophischen Glauben und die philosophische Spiritualität bereichern.

    Zitat: „Ich nenne sie philosophische oder auch säkularisierte Spiritualität.“

    „Säkularisierung im engeren Sinn sind die durch den Humanismus und die Aufklärung ausgelösten Prozesse, die die früheren engeren Bindungen an die Religion gelöst und den Lebenswandel zunehmend auf Basis menschlicher Vernunft begründet haben.“ (Wikipedia) Säkular = weltlich, empirisch

    Zitat: »Philosophische oder auch säkularisierte Spiritualität ist eine epistemische und zugleich eine ethische Lebenseinstellung, die allein in der Immanenz nach Sinn, Bedeutung und Werten sucht und dabei von einer Verbundenheit mit anderen Menschen und mit der Natur ausgeht.«

    Epistemisch kommt von griechisch epistḗmē: Erkenntnis, Wissen, auch Wissenschaft.

    Muss der Erkenntnis immer ein weltlich-empirischer Gegenstand zugrunde liegen?

    Eine ethische Lebenseinstellung hat etwas mit Überzeugungen zu tun. Nach Kants drei Stufen des Fürwahrhaltens oder der subjektiven Gültigkeit des Urteils in Beziehung auf die Überzeugung (welche zugleich objektiv gilt, d.h. auf das Wissen), müsste man eine ethische Lebenseinstellung in der mittleren Stufe, dem Glauben ansiedeln, nur dass man hier nicht von einem Fürwahrhalten, sondern einem Fürrichtighalten sprechen müsste.

    Zitat: » … eine ethische Lebenseinstellung, die allein in der Immanenz nach Sinn, Bedeutung und Werten sucht.«

    Immanenz = nach Kant in erkenntnistheoretischer Sicht das Verbleiben in den Grenzen möglicher Erfahrung (KrV B 352 und B 671); bei Karl Jaspers Dasein, Bewusstsein überhaupt und Geist als die drei immanenten Weisen des Umgreifenden. (Wikipedia) Immanenz ist der Gegenbegriff zur Transzendenz.

    Jaspers glaubte an die Transzendenz; er bezeichnete sie als die einzige unvergängliche Wirklichkeit. Bei Thomas Metzinger fielen mir bisher nur solche Anhaltspunkte auf, die bei ihm gegen einen Glauben an eine Transzendenz sprechen wie z.B. kein Bewusstsein ohne Neuronen. Seine philosophische Spiritualität ist auch ohne die drei kantischen Postulate: Existenz Gottes, Unsterblichkeit der Seele und Freiheit (KrV, B 7) von Kant beeinflusst. (Siehe entsprechende Zitate auf den Folien 13 und 14.) Seine Bücher wie die Selbst-Modell-Theorie der Subjektivität (1993a) und seine übrigen downloadbaren E-Texte sind aus meiner Sicht gesehen überzeugend. Dass er seinen Glauben eine philosophische Spiritualität nennt, bei gleichzeitiger Negation der drei kantischen Postulate (siehe oben) scheint mir sehr interessant.

    Jin Oh Lee, April 2004, Wissen und Glauben bei Kant und Jaspers (Inaugural-Dissertation) S. 5: »Das Denken auf dem schmalen Grate bewegt sich also nicht auf der einseitigen Dimension des Monisten, sondern in der umfassenden Intention auf die gegenständliche Welt und [in der Intention] auf die transzendente Welt. (In diesem Zusammenhang bezeichnet Höffe Kants Philosophieren als „Epistemische Gratwanderung“. Vgl. O. Höffe, Kants Kritik der reinen Vernunft – Die Grundlegung der modernen Philosophie, S. 74 und 111.) Von diesem Standpunkt aus gesehen ist das Denken des Monisten die faule Vernunft (ignava ratio), welche die Sache durch die gründliche Kritik nicht zur Klarheit bringt, sondern zwischen dem naiven Empirismus und dem spekulativen Dogmatismus voreilig zu irgendeiner Seite drängt.«

    Zitat: „ … und meine damit eine Geistigkeit ohne Selbsttäuschungen.«

    Wie bereits oben erwähnt, verbinde ich das kantische Meinen mit dem spekulativen Dogmatismus oder anders gesagt mit Religion und Offenbarung. Die andere Seite auf die sich das Denken des Monisten die faule Vernunft (ignava ratio) gerne drängen lässt, ist der „dogmatische“ Empirismus.

    Eine philosophische Spiritualität, bzw. philosophischer Glaube und philosophische Logik müssten Kants Philosophieren als „Epistemische Gratwanderung“ folgen. Das Denken auf dem schmalen Grat bewegt sich also nicht auf der einseitigen Dimension des Monisten, sondern in der umfassenden Intention auf die gegenständliche Welt und in der Intention auf Transzendenz.

    Wenn wir mit Thomas Metzinger uns kein Bewusstsein ohne Leib (Gehirn) vorstellen können und demzufolge die Intention auf die transzendente Welt ablehnen müssen, dann bekommt plötzlich die christliche Hoffnung (Spekulation) auf einen pneumatischen Leib auftrieb, d.h. eine auf pneumatischer Leiblichkeit basierende transzendente Welt!

    1. Kor 15, 44: „Gesät wird ein irdischer Leib, auferweckt wird ein geistlicher Leib (sōma pneumatikon).“

    Wohl verstanden, ich reihe diese christliche Hoffnung unter philosophischen Spekulationen ein. Aber eine philosophische Spiritualität ist von ihrer Natur her schon auf mehr als empirische Fakten angewiesen. Mindestens einem kritischen Rationalismus muss sich eine solche Spiritualität verschreiben. Beim Begriff des kritischen Rationalismus denkt man an Karl Popper und dieser ging von einer psychophysischen Wechselwirkung aus, also von einer Dualität von Psyche und Physis. Aus Wikipedia:

    Der Kritische Rationalismus setzt sich mit der Frage auseinander, wie wissenschaftliche oder gesellschaftliche (aber prinzipiell auch alltägliche) Probleme undogmatisch, planmäßig (‚methodisch‘) und vernünftig (‚rational‘) untersucht und geklärt werden können. Dabei sucht er nach einem Ausweg aus der Wahl zwischen Wissenschaftsgläubigkeit (Szientismus) und der Auffassung, dass wissenschaftliches Wissen auf positiven Befunden aufbauen muss (Positivismus) auf der einen Seite, sowie andererseits dem Standpunkt, dass Wahrheit vom Blickwinkel abhängig ist (Relativismus) und dass Wissen der Willkür preisgegeben ist, wenn Beweise unmöglich sind (Wahrheitsskeptizismus).

    Der Kritische Rationalismus übernimmt die im Alltagsverstand selbstverständliche Überzeugung, dass es die Welt wirklich gibt, und dass sie vom menschlichen Erkenntnisvermögen unabhängig ist. Das bedeutet beispielsweise, dass sie nicht zu existieren aufhört, wenn man die Augen schließt. Der Mensch aber ist in seiner Erkenntnisfähigkeit dieser Welt durch seine Wahrnehmung begrenzt, so dass er sich keine endgültige Gewissheit darüber verschaffen kann, dass seine Erfahrungen und Meinungen mit der tatsächlichen Wirklichkeit übereinstimmen (Kritischer Realismus). Er muss daher davon ausgehen, dass jeder seiner Problemlösungsversuche falsch sein kann (Fallibilismus). Das Bewusstsein der Fehlbarkeit führt einerseits zu der Forderung nach der ständigen kritischen Prüfung von Überzeugungen und Annahmen, andererseits zum methodischen und rationalen Vorgehen bei der Lösung von Problemen (Methodischer Rationalismus)

  2. Comment by Gisbert König

    Zitat Existenzphilosoph: Muss der Erkenntnis immer ein weltlich-empirischer Gegenstand zugrunde liegen?

    Als Rationalist und Agnostiker sage ich: ja; Übernatürliches oder Übersinnliches ist unserer Erkenntnis nicht zugänglich. Allenfalls kann man hier von einem Ahnen sprechen. Wenn Jaspers von einem „leisesten Bewusstsein“ spricht (in Bezug auf Transzendenz), geht mir das schon fast zu weit.

  3. Comment by Gisbert König

    Literaturhinweis

    ANDRE COMTE-SPONVILLE: “Woran glaubt ein Atheist?: Spiritualität ohne Gott“

    Gerechtigkeit, Mitgefühl, Liebe, Demokratie und Menschenrechte könnten, so Comte-Sponville, Gottgläubige, Agnostiker und Atheisten vereinen, ohne einander missionieren zu wollen. Ähnlich auch der Dalai Lama, der als Grundspiritualität die grundlegenden menschlichen Werte der Güte, der Freundlichkeit, des Mitgefühls und der liebevollen Zuwendung bezeichnet.

    Eine so definierte Spiritualität könnte man als eine humanistische bezeichnen, die darauf ausgerichtet ist, die Werte des Humanismus zur eigenen Lebenswirklichkeit werden zu lassen. Wären alle Menschen in diesem Sinne spirituell, nicht nur in ihrem Privatleben, sondern auch im Wirtschaftsleben und im öffentlichen Leben (unter Einschluss der Politik), kämen wir dem schon ziemlich nahe, was ein bekannter Philosoph als die beste aller möglichen Welten bezeichnet hat.

  4. Comment by Gisbert König

    Zitat von August Messer „Die Philosophie der Gegenwart“: „Wenn wir philosophieren, dann verhalten wir uns theoretisch, wissenschaftlich, dann gebrauchen wir unseren Verstand (und alles, was an intuitiver Weltdeutung die Kritik des Verstandes besteht, rechnen wir zu dessen Leistungen). Aber müssen wir deshalb schlechthin bloße ‚Verstandes-Menschen‘ werden? Es könnte ja gerade ein Hauptergebnis unseres Philosophierens sein, daß die Fortentwicklung des menschlichen Geisteslebens in höherem Grade als vom theoretisch-philosophischen Verhalten abhängt von einer gefühlswarmen Schätzung objektiver ‚Werte‘ und von einem freien und ausdauernden Wollen im Dienste der Verwirklichung solcher Werte und Ideale.“

    Die Frage ist nur, ob es „objektive Werte“ überhaupt gibt. Jedenfalls gibt es keine Werte oder gar Wertsysteme, die von allen Menschen, auch nicht von allen Philosophen oder Intellektuellen, geteilt werden. Der Einzelne, der in dem von mir definierten Sinne spirituell unterwegs ist, muss sich nach ausreichenden Reflektionen und Erfahrungen insoweit entscheiden, für sich selbst, nicht für andere, siehe auch mein Hesse-Zitat: „Einzig für mich, für mich allein muss ich urteilen, muss ich wählen, muss ich ablehnen.“

    Eine Letztbegründung gibt es auch nicht für Werte; daher kann ein subjektives Moment nicht ausgeschaltet werden.

  5. Comment by Philzer

    „Definition

    Philosophische oder auch säkularisierte Spiritualität ist eine epistemische und zugleich eine ethische Lebenseinstellung, die allein in der Immanenz nach Sinn, Bedeutung und Werten sucht und dabei von einer Verbundenheit mit anderen Menschen und mit der Natur ausgeht.

    Epistemisch kommt von griechisch epistéme = Erkenntnis, Wissen. Eine epistemische Lebenseinstellung ist somit durch eine umfassende Suche nach Erkenntnissen gekennzeichnet.“

    Nicht schlecht. Ich hatte das mal so formuliert: Philosophie ist der Wille die Welt über die instrumentelle Vernunft hinaus zu verstehen.

    mpg Philzer

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