Erstellt am 15. Juni 2011

Manifest ethischen Wirtschaftens (Arbeitspapier)

 

Die folgenden Ausführungen haben nur den Charakter eines Arbeitspapiers, das ich zur Diskussion stelle. Sie lassen sich noch in vielfältiger Weise ausarbeiten. Die Mitarbeit anderer an dem Thema einer humanistischen Wirtschaftordnung Interessierter, auch und insbesondere von Wirtschaftswissenschaftlern und professionellen Philosophen, ist erwünscht.
 

Situationsbeschreibung

 

Es sind nicht wenige denkende Menschen, die in der katastrophalen und sich immer mehr ausweitenden Ungleichverteilung der Güter dieser Erde – einmal zwischen den Personen innerhalb eines Landes, dann zwischen den einzelnen Ländern bzw. Volkswirtschaften – eines der größten und  drängendsten sozialen Probleme unserer Zeit ansehen. Auch der Philosoph Michael Schmidt-Salomon hat sich damit in seinem Buch „Manifest des Evolutionären Humanismus“ auseinandergesetzt. In der 2006 erschienen 2. Auflage schreibt er (S. 112 bis 115) dazu folgendes, wobei ich hier seine Fußnoten nicht mit wiedergebe:

„In Folge der Globalisierung hat sich die Kluft zwischen Arm und Reich noch weiter vergrößert. Die Einkommenslücke zwischen dem reichsten Fünftel der Weltbevölkerung und dem ärmsten Fünftel lag 1997 bei 74:1, während sie 1990 60:1 und 1930 sogar nur 30:1 be­tragen hatte. Mittlerweile hat die Ungleichverteilung geradezu groteske Formen angenommen: So verfügen die drei reichsten Menschen der Erde über ein Vermögen, das größer ist, als das Bruttoinlandsprodukt der 49 am we­nigsten entwickelten Länder, die Vermögenswerte der 200 reichsten Personen übersteigen das Gesamteinkommen von 41 Prozent der Weltbevölkerung (also von rund 2,5 Milliar­den Menschen!). Während auf der einen Seite die Zahl der Multimillionäre stetig ansteigt, müssen etwa 1,2 Milli­arden Menschen (ein Fünftel der Menschheit) mit weniger als einem US-Dollar pro Tag auskommen, insgesamt drei Milliarden (rund die Hälfte der Erdbevölkerung!) mit weni­ger als zwei US-Dollar pro Tag.

Doch die Schere zwischen Arm und Reich geht nicht nur im globalen Maßstab immer weiter auseinander, das gleiche Phänomen ist auch innerhalb der Nationen feststell­bar. In der reichen Industrienation Deutschland etwa verfü­gen die einkommensschwächeren 50 Prozent der Haushalte über weniger als 4 Prozent des gesamten Nettovermögens, die vermögensstärksten 20 Prozent hingegen können rund zwei Drittel des gesamten Nettovermögens auf sich ver­einen. Dabei entfallen allein auf das oberste Zehntel der Haushalte 47 Prozent des gesamten Nettovermögens (ihr Anteil ist in den Jahren 1998-2004 um gut zwei Prozent­punkte gestiegen). Auf der anderen Seite hat sich die Gesamtzahl der überschuldeten Privathaushalte zwischen 1999 und 2002 von 2,77 Mio. auf 3,13 Mio. Haushalte erhöht – ein Anstieg von 13 Prozent.

Bedauerlicherweise muss man konstatieren, dass sich unter dem Diktat kapitalistischer Profitmaximierung selbst die größten Segnungen des Marktprinzips, nämlich der Druck in Richtung einer immer effizienteren Produktions­weise, zunehmend in volkwirtschaftliche Übel verwandeln. Seit 1960 ist die Produktivität je Erwerbsarbeitsstunde etwa auf das Dreifache gestiegen, in manchen Branchen sogar um ein Vielfaches davon. Folglich werden immer weniger Menschen benötigt, um immer mehr produzieren zu kön­nen. Wenn eine Autofabrik vor dreißig Jahren noch 40.000 Beschäftigte benötigte, kann sie heute mit nur 2.000 An­gestellten einen höheren Ausstoß erzielen. Die Folgen die­ses Strukturwandels sind schon jetzt deutlich erkennbar und dabei stehen wir heute erst in den Anfängen der unaufhalt­samen digitalen Revolution.

Fest steht: Die gegenwärtigen hohen Arbeitslosenzahlen sind kein Produkt einer vorübergehenden konjunkturellen Schwäche, sondern – unter den gegebenen ökonomischen Spielregeln – das Signum einer postindustriell weit ent­wickelten Gesellschaft. Die dahinter stehende Formel ist einfach zu begreifen: Je höher die Arbeitsproduktivität einer Wirtschaft (also: je weiter die Rationalisierung voran­geschritten ist), desto geringer die gesellschaftlich notwen­dige Arbeitszeit. Eine Lektion, die anscheinend schon Marx begriffen hatte, der den Nationalökonomen seiner Zeit vorwarf, zu vergessen, „dass die Produktion von zuviel Nützlichem zuviel unnütze Population produziert“.

Es scheint, dass die entwickelten Volkswirtschaften einen Sättigungsgrad erreicht haben, der vor allem deshalb nicht mehr überschritten werden kann, weil das Heer der zahlungsfähigen Konsumenten nicht mehr mit dem Tempo der auf Wachstum ausgerichteten Produktion Schritt halten kann. Die Folge sind Insolvenzen von Unternehmen und Privatpersonen sowie einschneidende Kürzungen der So­zialleistungen durch den Staat, der selbst immer hoff­nungsloser in die Verschuldungsspirale gerät und dadurch immer weniger in der Lage ist, die systemimmanente Um­verteilung von arm auf reich zu kompensieren.

Im Grunde aber ist es nicht die Produktivitätssteige­rung, die diese Probleme erzeugt, sondern unsere erschre­ckende Unfähigkeit, diesen Prozess (Produktivitätssteige­rung ist, unvoreingenommen betrachtet, ein großer Segen, kein Fluch!) sinnvoll zu gestalten. Sicher ist, dass wir auch in diesem Fall die sozio-ökonomischen Spielregeln grund­legend neu definieren müssten. Unsere Aufgabe besteht darin, endlich jene strukturellen Bedingungen zu schaffen, die gewährleisten, dass der Eigennutz der Individuen sowie der von ihnen geschaffenen Institutionen in humanere Bah­nen gelenkt wird. Hierbei handelt es sich allerdings um ein außergewöhnlich schwieriges Unternehmen, eine Heraus­forderung, die so komplex ist, dass sie im Rahmen dieser Abhandlung nicht einmal andeutungsweise skizziert werden kann.

Versagen wir vor dieser Herausforderung, wird dies wahrscheinlich katastrophale Folgen haben. Die von man­cher Seite gepflegte Fiktion einer Gesellschaft, in der zwanzig Prozent der Menschen produktiv tätig sind, wäh­rend 80 Prozent mit „titty-tainment“ ruhig gestellt werden, wird früher oder später an den Kanten der Realität zer­schellen. Die Menschen werden kaum auf Dauer ein gesell­schaftliches „Monopoly-Spiel“ akzeptieren, bei dem von vornherein festgelegt ist, dass die lukrativsten Straßen und Hotels bereits an eine kleine Oberschicht vergeben sind. Im Moment reagieren sie auf diese unfairen Spielregeln noch vornehmlich mit Resignation (also einer reduzierten wirt­schaftlichen Eigenmotivation, was schon jetzt mit negativen wirtschaftlichen Konsequenzen verbunden ist). Sollten sich die Missverhältnisse jedoch weiterhin verschärfen, was bei Beibehaltung der gegenwärtigen Spielregeln bei jeder neuen Spielrunde unweigerlich der Fall sein wird (!), so wird sich diese Resignation vermutlich zunehmend in Ag­gression verwandeln.

Auf längere Sicht ist zu erwarten, dass mehr und mehr Menschen mit allem Nachdruck neue gesellschaftliche Spielregeln einklagen werden, allerdings ist zu befürchten, dass diese Spielregeln keine humanistisch-aufklärerischen, sondern vielmehr fundamentalistische sein werden. Wie u. a. empirische Studien zum katholischen Fundamentalis­mus in Frankreich gezeigt haben, erhält der Fundamenta­lismus besonderen Zulauf gerade aus solchen sozialen Schichten, die „vom ökonomischen und sozialen Wandel bedroht sind und denen die Instabilität der religiösen Formen zum Symbol ihrer beängstigenden sozialen Un­sicherheit wird“. Auch der momentane Boom funda­mentalistischer Strömungen im Islam hat hier seine Wur­zeln. Er bietet vielen die einzig denk- und lebbare Alterna­tive zu jener sog. „freiheitlichen Weltordnung“, in der of­fensichtlich die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden und in der ein selbsternannter „Welt­polizist“ namens USA eigenmächtig, aber ungestraft, inter­nationales Recht brechen kann. Von Menschen, die keinen Zugang zu vernünftigen Sozial- und Bildungssystemen haben, die unter solch kümmerlichen Bedingungen leben, dass am Ende die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Reli­gion oder Volksgruppe das Einzige bleibt, worauf sie in ihrem Leben stolz sein können, kann man kaum etwas anderes erwarten.“

Die von Schmidt-Salomon beispielhaft geschilderten unethischen Verhaltensweisen ergänze ich noch durch Hinweis auf die Ausbeutung der armen Länder durch die wohlhabenden. Global agierende Unternehmen aus den wohlhabenden Ländern lassen in den armen zu Hungerlöhnen arbeiten und unter teilweise katastrophalen Arbeitsbedingungen, nicht selten auch unter Duldung von Kinderarbeit. Sie beuten im landwirtschaftlichen Bereich das Land aus durch Monokulturen und ohne Rücksicht auf die dortige Umwelt und die dort wohnenden Menschen, die durch den Einsatz von in den Herkunftsländern längst verbotener Pestizide in 5 Jahren ihre Gesundheit ruinieren. Deren Stelle nehmen dann andere ein, denen das selbe Schicksal bevorsteht. Bei der Ausbeutung von Rohstoffen hinterlassen sie nach Erschöpfung der Quellen eine total zerstörte Landschaft, an deren Rekultivierung sie sich durch Bestechungsgelder an die jeweiligen Regierungen freikaufen. Die dort lebenden Menschen leiden noch Jahrzehnte darunter. Wo sie Rohstoffe oder nur dort wachsende Pflanzen kaufen, z.B. Kaffee und Kakao, drücken sie die Preise auf ein Niveau, das den dortigen Produzenten und vor allem ihren Mitarbeitern nur ein kümmerliches Überleben erlaubt. Und dann haben wir noch die Abwerbung qualifizierter Arbeitskräfte („Inder statt Kinder“), deren Potential den unterentwickelten Ländern entzogen wird. All das führt dazu, dass die hiesigen Konsumenten Produkte zu unschlagbar niedrigen Preisen kaufen können und hier die Wirtschaft wächst – auf Kosten der Ärmsten.

Zum Begriff „Evolutionärer Humanismus“: Dieser wurde Mitte des 20. Jahrhunderts von dem bedeutenden Evolutionsbiologen und ersten Generaldirektor der UNESCO, Julian Huxley, begründet. „Wie jeder konsequente Humanismus geht auch der Evolutionäre Humanismus von der Notwendigkeit und Möglichkeit der Verbesserung der menschlichen Lebensverhältnisse aus. Evolutionäre Humanisten treten entschieden für die Werte der Aufklärung, für kritische Rationalität, Selbstbestimmung, Freiheit und soziale Gerechtigkeit ein.“ (Homepage der Bruno-Giordano-Stiftung) Evolutionär bedeutet, dass sich eine vernunftbasierte allgemeine Ethik gesellschaftlichen Veränderungen und neuen Erkenntnissen anpasst. Zu den „Angeboten“ des Evolutionären Humanismus gehört die Anregung: „Stelle dein Leben in den Dienst einer größeren Sache, werde Teil der Tradition derer, die die Welt zu einem besseren, lebenswerteren Ort machen woll(t)en.“ (Manifest des Evolutionären Humanismus, S. 158)

 

Schmidt-Salomon fordert, die derzeit geltenden sozio-ökonomischen Spielregeln grundlegend neu zu definieren. Dieses ist auch seit längerem mein Anliegen, noch bevor ich sein Manifest las. An die Stelle des bisher im Unternehmensbereich (fast) allein geltenden Prinzips der Gewinnmaximierung um nahezu jeden Preis und des bei den Verbrauchern (fast) allein geltenden Prinzips der Konsummaximierung setze ich die nachfolgenden Ziele eines ethischen Wirtschaftens und definiere Spielregeln (ethische Postulate), die der Erreichung dieser Ziele dienen sollen. Dabei verfolge ich auch den Gedanken, dass der Begriff „Ökonomie“, griechisch oikonomia, „Haushalten“ und nicht „Verschwenden“ bedeutet.

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Erläuternd bemerke ich noch, dass ich im folgenden lediglich das Verhalten der Wirtschaftssubjekte (Unternehmen und Konsumenten) behandele, nicht das Verhalten des Staates, abgesehen von der Schaffung der notwendigen Rahmenbedingungen. Natürlich könnte man auch an eine aus den Grundsätzen des evolutionären Humanismus abgeleitete Steuer- und Transferpolitik denken, durch die ebenfalls versucht wird, die Ungleichverteilung in Zukunft zu minimieren, sh. dazu unten die Kommentare Nr. 4 und 5.

 

Ziele

  1. Einbeziehung einer möglichst großen Zahl von Menschen, die sich an den Produktionsprozessen durch ihre Arbeit beteiligen wollen und können
  2. Schaffung möglichst humaner Arbeitsbedingungen
  3. Gerechtere Verteilung des Produktionsergebnisses auf alle an seiner Erwirtschaftung Beteiligten und – gesamtwirtschaftlich – diejenigen, die unverschuldet nicht daran teilnehmen können
  4. Keine Ausbeutung der armen Länder durch die wohlhabenden
  5. Eingrenzung leistungsloser Einkommen durch Spekulation
  6. Möglichst hohe Geldwertstabilität zur Vermeidung von Altersarmut und zu hoher Belastung der nachfolgenden Generation
  7. Sparsamer Umgang mit den begrenzten Ressourcen unseres Planeten
  8. Möglichst geringe Belastung der Umwelt durch Produktion und Konsum, Verzicht auf die Herstellung gesundheits- und umweltschädlicher Produkte
  9. Insgesamt: größere Lebensqualität für die bisher Benachteiligten, teils aber auch für die bisher Begünstigten, und für die nachfolgenden Generationen

Weg zur Erreichung der Ziele

 

Durchgängige Beachtung aus dem Evolutionären Humanismus gewonnener ethischer Verhaltensweisen im Bereich der Wirtschaft (in Produktion und Konsumtion), die letztlich alle unter dem Gesichtspunkt eines fairen Interessenausgleichs stehen, der durchaus auch eigennützig sein kann. Insofern sollen die Prinzipien der Gewinn- und Konsummaximierung nicht völlig abgeschafft werden. Im Rahmen der folgenden ethischen Postulate, also zumindest teilweise neuer Rahmenbedingungen, sollen sie in modifizierter Form durchaus weiter verfolgt werden.

Ethische Postulate

Zu Ziel 1: Einbeziehung einer möglichst großen Zahl von Menschen, die sich an den Produktionsprozessen durch ihre Arbeit beteiligen wollen und können.

Ethisches Postulat: Sei bereit, mit anderen zu teilen, vor allem mit denen, die nichts haben. Interessenausgleich von Arbeitnehmern untereinander..

In diesem Fall geht es um die Verteilung von Arbeit. Wenn z. B. 90 % derjenigen, die arbeiten können und wollen, einen Arbeitsplatz haben, an dem sie 40 Stunden pro Woche arbeiten, und die restlichen 10 % keinen, muss die erstgenannte Gruppe durch Sozialabgaben und Steuern die zweitgenannte alimentieren. Jedenfalls ist es so in den entwickelten Ländern. Dieser Zustand ist für beide unbefriedigend. Ideal wäre es, wenn in dieser Situation die erste Gruppe bereit wäre, 10 % weniger zu arbeiten und damit auch auf 10 % des bisherigen Bruttolohns zu verzichten, damit auch die anderen Arbeit und selbst verdientes Brot haben. Alle würden dann 36 Stunden arbeiten. Wir hätten dann (im Modellfall) keine Arbeitslosigkeit mehr, die Alimentierung würde entfallen. Sozialabgaben und Steuern könnten entsprechend gesenkt werden, so dass sich das Nettoeinkommen der bisherigen Arbeitsplatzbesitzer um weniger als 10 % vermindern würde, sagen wir einmal durchschnittlich nur um 7 %. Das sollte uns ein größerer sozialer Friede wert sein, zumal ein heutiger Arbeitsplatzbesitzer ohne diese Maßnahme morgen selbst schon arbeitslos sein könnte.

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Dass so etwas in die Praxis umgesetzt werden kann, hat vor Jahren VW bewiesen. Aufgrund verminderten Auftragseingangs hätten 5000  Mitarbeiter entlassen werden müssen. Statt dessen schlug der Vorstand vor, die Arbeitszeit der einzelnen Mitarbeiter so zu verkürzen, dass niemand entlassen zu werden brauchte, und zwar ohne Lohnausgleich, so dass für VW nach dieser Maßnahme die Lohnsumme insgesamt genau so hoch sein würde, als wären die 5000 bei Beibehaltung der alten Arbeitszeit entlassen worden. Betriebsrat und Gewerkschaft zeigten sich solidarisch und gingen zur Vermeidung der Entlassungen grundsätzlich auf den Vorschlag des Vorstands ein. In den Verhandlungen musste dieser allerdings in Sachen Lohnausgleich Zugeständnisse machen. Zwar sank der Monatslohn für jeden einzelnen, aber nicht proportional zu der verminderten Arbeitszeit. Die zweifellos vorhandenen Schwierigkeiten bei der innerbetrieblichen Umverteilung der Arbeit wurden gelöst. Dabei löste man auch das Problem der Entkoppelung von Maschinenlaufzeiten und der individuellen Arbeitszeit der in der Produktion Tätigen.

 

Dieses Modell kann nicht nur zur Anwendung kommen zur Vermeidung von Entlassungen, sondern auch zur Integration von Arbeitslosen. Wenn die Arbeitslosigkeit 10 % beträgt, sollten alle Betriebe 10 % mehr Personal einstellen und ohne Lohnausgleich die Arbeitszeit für jeden um 10 % kürzen. In Boomzeiten sollten alle wieder mehr arbeiten, unter Beibehaltung der durchschnittlichen Vergütung pro Stunde, so dass dann der Monatslohn entsprechend ansteigen würde. In Schwächephasen ging es genau anders herum. Es entstünde auch dann keine Arbeitslosigkeit.

 

Aufgrund des technischen Fortschritts ist damit zu rechnen, dass ein bestimmtes Sozialprodukt mit immer weniger Arbeitsstunden hergestellt werden kann, was tendenziell wieder zu Arbeitslosigkeit führen würde, es sei denn, man würde ein entsprechend höheres Sozialprodukt herstellen und auch absetzen können. Auch hier kann wieder der dargestellte Mechanismus Platz greifen. Was wäre dagegen einzuwenden, wenn wir in einigen Jahren alle nur noch 20 Stunden in der Woche arbeiteten, wenn in dieser Zeit die Güter hergestellt und die Dienstleistungen erbracht werden können, die wir zu einem einigermaßen komfortablen Leben benötigen?

 

Darüber hinaus kann das Modell aber auch gesamtwirtschaftlich innerhalb der Volkswirtschaft eines Landes, also überbetrieblich, angewandt werden, wenn z. B. einzelne Branchen konjunkturbedingt zu schwächeln beginnen und Entlassungen in Betracht ziehen, während andere noch boomen. Angenommen, wir hätten bei 36 Wochenstunden Vollbeschäftigung. Nehmen wir weiter modellhaft an, 50 % der Betriebe hätten nicht mehr so viel zu tun und müssten zur Vermeidung von Entlassungen die Arbeitszeit auf 30 Stunden kürzen, sollten – wieder im Idealfall – alle Betriebe auf eine Wochenarbeitszeit von  33 Stunden umstellen. Dabei würden die Betriebe, die ohne Freisetzungen nur Arbeit für 30 Stunden haben, einen Teil der Mitarbeiter entlassen (so viele, dass die verbleibenden die verminderte Produktion in 33 Stunden bewältigen) und diese von den boomenden Betrieben aufgenommen werden, die dann aufgrund der höheren Zahl von Mitarbeitern ihre Arbeitszeit ebenfalls auf 33 Stunden reduzieren. Die Mitarbeiter der Betriebe mit besser Auftragslage würden somit mit den Mitarbeitern der anderen Betriebe teilen, wobei zu bedenken ist, dass der Betrieb, der heute boomt, im nächsten Jahr zu denen gehören könnte, die schwächeln und umgekehrt. 

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Besonders sei noch darauf hingewiesen, das die Arbeit auch in Bezug auf die unterschiedlichen Altersgruppen geteilt wird. Die heutige Situation in Deutschland ist durch eine hohe Arbeitslosigkeit älterer Arbeitnehmer, aber auch eine hohe Jugendarbeitslosigkeit gekennzeichnet. Insoweit wäre es die mittlere Altersgruppe, die zu teilen hätte.

 

Das, was ich vorstehend teils in Beispielen dargestellt habe, ist natürlich nur ein Modell, durch das der Grundgedanke einer Teilung von Arbeit deutlich gemacht werden soll. In der Praxis gibt es eine Reihe von Problemen, die nur eine teilweise Umsetzung zulassen. Das wichtigste ist das Strukturproblem. Mit Sicherheit ist es nicht so, dass in der Gruppe der derzeit Arbeitslosen sich die Qualifikationen exakt prozentual so verteilen wie unter den derzeitigen Arbeitsplatzbesitzern. Daher können ja auch nicht alle offenen Stellen mit Arbeitslosen besetzt werden. Dem kann man teilweise mit Umschulungen begegnen. Ohnehin ist so, dass viele im Laufe ihres Lebens mehrere Berufe erlernen müssen. Umschulungen können aber einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen. Zudem lässt sich z. B. kaum eine arbeitslose 55 jährige Friseurin in eine Maschinenschlosserin umschulen. Dann gibt es das räumliche Problem. Ist es einem Buchhalter aus Stettin, der dort keine Arbeit findet, zumutbar, eine offene Stelle in Passau anzutreten? Das ist auch eine Frage des Alters, des Familienstandes, der Berufstätigkeit des Ehepartners und einer evtl. dort vorhandenen eigenen Wohnung. Sicher gibt es noch weitere Probleme.

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Wenn aber vom Ethischen her – und dabei kann ruhig der Gedanke des Eigennutzes mitschwingen (ich könnte ja selbst einmal arbeitslos werden) – die Mehrheit der Arbeitnehmer zu einer Teilung von Arbeit bereit wäre, was ich durchaus nicht als extrem unwahrscheinlich ansehe, müssten in der Praxis Wege einer möglichst weitgehenden Umsetzung gefunden werden. Sicher hat es die genannten Probleme in einem gewissen Maße damals auch bei VW gegeben, man hat aber Lösungen gefunden. Solches auch auf gesamtwirtschaftlicher Ebene zu tun, wäre allemal den Schweiß der Befähigtsten aus dem Bereich der Wirtschaftswissenschaften, der Wirtschaftspraxis und des Wirtschafts- und Arbeitsrechts wert. Ich denke an einen derartigen Arbeitskreis, der von einer oder mehreren Regierungen eingesetzt werden könnte oder sich in anderer Weise bildet und Lösungsmöglichkeiten erarbeitet.

 

Über Sozialabgaben und Steuern finanzieren innerhalb einer Volkswirtschaft alle als Kapitalgeber und Arbeitnehmer (einschl. Manager) an der Erstellung des Sozialprodukts Beteiligten einen menschenwürdigen Unterhalt derer, die ohne eigenes Verschulden an der Erstellung nicht teilnehmen konnten. Das sind nicht nur solche Menschen, die arbeiten können und wollen, aber keinen Arbeitsplatz haben (Arbeitslose), sondern auch solche, die aus verschiedenen Gründen nicht arbeiten können. Bei einer möglichst weit gehenden Umsetzung des 1. Postulats werden deutlich weniger Arbeitslose haben als bisher, wenn sich auch wohl selbst im besten Fall eine strukturell bedingte Arbeitslosenquote von ca. 2, 5 % nicht unterschreiten lässt. Einige skandinavische Länder haben es geschafft, die Quote soweit nach unten zu bringen. Die dadurch ersparten Mittel könnte der Staat teilweise zur Entlastung der Bürger mit Sozialabgaben und Steuern einsetzen, teilweise aber auch dazu, den Unterstützungsbedürftigen mehr zukommen zu lassen als bisher. Dazu rechne ich nicht die wenigen, die zwar arbeiten könnten aber ihren Lebensunterhalt nicht selbst verdienen, sich also lieber von den anderen aushalten lassen wollen (Schmarotzer). Diese verhalten sich absolut unfair und sollten keine staatlichen Unterstützungen erhalten, womit sie dann wohl oder übel gezwungen werden, doch selbst zu arbeiten.

 

Gewinner und Verlierer gegenüber dem Status quo ante: Ich sehe in der Verwirklichung dieses Postulats eine Win-win-Situation ähnlich wie bei einer Versicherung. Zudem dient es dem sozialen Frieden.

 

Zu Ziel 2: Schaffung möglichst humaner Arbeitsbedingungen

 

Ethisches Postulat: Berücksichtigung des „Humanum“ am Arbeitsplatz. Interessenausgleich zwischen Arbeitnehmern, Unternehmen und deren Anteilseignern und Verbrauchern.

 

Ich kenne keinen Unternehmer oder Manager in leitender Funktion, der nicht für sich selbst angenehme Arbeitsbedingungen schafft. Kosten scheinen hier keine Rolle zu spielen. Ich habe nichts dagegen, wenn ein Chef ein größeres Büro bezieht und es aufwändiger ausstatten lässt, als die Büros für seine Angestellten. Aber auch diese sollten so gestaltet werden, dass sie den Angestellten eine angenehme Arbeitsumgebung bieten. Schließlich befinden sie sich dort die meiste Zeit ihres Lebens. Und ohne sie vermöchte der Chef gar nichts. Dasselbe gilt für die Arbeiter in den Werkstätten, auf Baustellen usw.. Zu humanen Arbeitsbedingungen gehört aber auch die Sicherheit vor Arbeitsunfällen und arbeitsbedingten Krankheiten. Gewiss, auch Sicherheitseinrichtungen u. ä. kosten Geld. Leben und Gesundheit der Mitarbeiter ist aber der Vorrang vor  Gewinnmaximierungsinteressen der Unternehmer und auch vor dem Interesse der Verbraucher an möglichst niedrigen Preisen einzuräumen.

 

Im Hinblick auf Arbeitssicherheit sind wir in Deutschland aufgrund gesetzlicher Bestimmungen schon sehr weit fortgeschritten. Das ist aber längst nicht in allen Ländern so. Immer wieder hören wir z. B. von katastrophalen Sicherheitsstandards in russischen und chinesischen und südamerikanischen Bergwerken. US-Konzerne lassen setzen auf Plantagen in Mittel- und Südamerika in großen Mengen in den Staaten selbst streng verbotene Pestizide ein und verweigern zudem den Arbeitern Schutzanzüge, mit der Folge, dass sie nach 5 Jahren kärglich entlohnter Arbeit für den Rest ihres Lebens krank und arbeitsunfähig sind. Sie verhalten sich so, wie frühere Sklavenhalter in der Karibik: Diese ließen ihre Sklaven innerhalb von 5 Jahren bei schmaler Kost zu Tode arbeiten und kauften sich dann für kleines Geld neue. Das war wesentlich billiger, als die Sklaven menschenwürdig unterzubringen und zu ernähren, für ihre Gesundheit zu sorgen und ihr Arbeitspensum in menschenwürdigen Grenzen zu halten. Die Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen.

 

Gewinner und Verlierer gegenüber dem Status quo ante: Unternehmen/Anteileigner und Verbraucher scheinen hier die Verlierer zu sein, Arbeitnehmer die Gewinner; aber diese sind auch Verbraucher und „bezahlen“ somit zum größten Teil selbst.

 

Zu Ziel 3: Gerechtere Verteilung des Produktionsergebnisses auf alle an seiner Erwirtschaftung Beteiligten und – gesamtwirtschaftlich – diejenigen, die unverschuldet nicht daran teilnehmen können

 

Ethisches Postulat: Teile die Früchte gemeinsamer Arbeit in fairer Weise. Interessenausgleich zwischen Arbeitnehmern, Unternehmern bzw. Managern und Kapitalgebern.

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In einem Unternehmen tragen zur Erzeugung der Güter und Dienstleistungen sowohl die Kapitalgeber wie die in dem Unternehmen arbeitenden Menschen bei. Zu diesen Menschen gehören Arbeiter und Angestellte, aber auch mitarbeitende Unternehmer und angestellte Manager. Arbeiter und Angestellte erhalten in der Regel feste Vergütungen, die für das Unternehmen Aufwand darstellen. Das selbe gilt für die Grundvergütungen von mitarbeitenden Unternehmern und von Managern. Alles, was nach Abzug der übrigen Aufwendungen verbleibt, geht in der Regel als Gewinn an die Kapitaleigner (das kann auch ein einzelner Unternehmer sein), ein gewisser Teil auch an die Manager.

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Diese Art der Verteilung wird von den Arbeitern und Angestellten und ihren Interessenvertretungen vielfach als nicht gerecht und fair angesehen. Über ihre Gewerkschaften treten sie daher in einen ständigen Verteilungskampf ein, mit dem die Lohn-Preis-Lohn-Spirale immer wieder in Gang gesetzt wird, womit Inflation erzeugt wird und damit eine ständige Entwertung der Ersparnisse der Arbeitnehmer, mit der Folge eines zu geringen Auskommens im Alter. Ich komme hierauf noch in Ziffer 6 zurück.

 

Als ein faireres Verteilungssystem schlage ich vor, dass zunächst alle eine (lediglich) ausreichende Vergütung erhalten, also die Kapitalgeber eine gewisse Mindestverzinsung und die in dem Unternehmen arbeitenden Menschen eine angemessene aber nicht reichlich bemessene Grundvergütung. Alles, was dann als Ergebnis gemeinsamen Wirtschaftens verbleibt, soll nach dem Verhältnis der vorgenannten, nennen wir es einmal Basisvergütungen, auf alle Beteiligten (Kapitalgeber und arbeitende Menschen) verteilt werden. Verteilt heißt aber nicht unbedingt ausgezahlt. Normalerweise entwickeln sich Unternehmen weiter und benötigen dazu Mittel. So könnte man sich z. B. dahingehend einigen, dass nur ein bestimmter Teil des nach Abzug der Basisvergütungen verbleibenden Gewinns an die Kapitalgeber und die arbeitenden Menschen ausgeschüttet wird und der Rest im Unternehmen verbleibt, wobei insoweit neue Anteile an dem Unternehmen ausgegeben werden. Somit werden dann auch die Mitarbeiter Anteilseigner und nehmen künftig auch an dem Teil des Gewinns teil, der den Kapitaleignern zukommt.

 

Beispielhaft erwähne ich, dass es bereits wenn auch nur wenige Unternehmer gibt, die ihre gesamte Belegschaft am Gewinn beteiligen. Als die Deutsche Bank noch eine seriöse Führung hatte, schüttete sie einmal einen Teils des Gewinns, und zwar in Höhe mehrerer Milliarden DM, an sämtliche Mitarbeiter als Prämie aus. Dabei handelte es sich um den Zusatzgewinn oder eines großen Teils dieses Gewinns, den die Bank aus dem gestückelten Weiterverkauf der zuvor von der Familie Flick zu einem Pauschalpreis erworbenen Unternehmensbeteiligungen erzielte.

 

In den Gewinn- und Verlustrechnungen der Unternehmen sollten nur die laufend ausgezahlten Grundvergütungen der Arbeitnehmer als Personalaufwand erscheinen, die Gewinnbeteiligungen am Ende nach der Position „Jahresüberschuss“ als „Gewinnverteilung“. In die Preiskalkulationen sollten nur die Grundvergütungen eingehen.

 

Die Umsetzung eines solchen Modells im Bereich börsennotierter Unternehmen dürfte prinzipiell wenig Schwierigkeiten bereiten. Auch bei kleineren Kapitalgesellschaften, z. B. in der Rechtsform der GmbH, sollte solches möglich sein. Bei Personengesellschaften könnte der Gesetzgeber Möglichkeiten der Mitarbeiterbeteiligung schaffen. Allerdings wird es, was die Beteiligung am Unternehmen anbetrifft, um so schwieriger, je kleiner die Unternehmen sind. Man könnte hier an eine bestimmte Mindestgröße denken. Ein Arzt mit drei Mitarbeiterinnen z. B. kann diese nicht an seinem „Unternehmen“ als solchem beteiligen, schon aus berufsrechtlichen Gründen nicht. Gleichwohl kann auch er den Praxisgewinn (nach Abzug einer fiktiven Vergütung für seine Tätigkeit) in einer zu gegebener Zeit noch im einzelnen zu diskutierenden Weise mit den Mitarbeiterinnen teilen. – Zur Untermauerung der Notwendigkeit einer solchen Maßnahme verweise ich auf den unten stehenden Kommentar Nr. 1.

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Zu einer fairen Verteilung gehört aber auch eine faire Vergütung der Zulieferungen anderer Unternehmen. Preisdrückerei, aber auch schlichte Verweigerung von vereinbarten Zahlungen großer Konzerne und insbesondere großer Supermarktketten unter den fadenscheinigsten Vorwänden, haben schon viele kleinere Unternehmen in den Ruin getrieben. Ich weiß aus eigener beruflicher Erfahrung u. a. als Insolvenzverwalter, dass Mitarbeiter dieser Unternehmen speziell darin geschult werden, fällige Zahlungen möglichst lange hinauszuzögern, willkürlich zu kürzen oder gar nicht zu leisten in der Erwartung, dass das kleinere Unternehmen nicht über die Mittel zur Führung langwieriger Prozesse verfügt.

 

Gewinner und Verlierer gegenüber dem Status quo ante: Unternehmen/Anteileigner und solche Manager, die heute exorbitante Vergütungen erhalten, sind hier die Verlierer, Arbeitnehmer die Gewinner. Enormer Schub für den sozialen Frieden, da hierdurch die Fortsetzung des Mechanismus gestoppt wird, nach dem die Reichen immer reicher und die breiten Massen immer ärmer werden oder zumindest ihre Situation nicht verbessern und jedenfalls relativ ärmer werden. Entsprechend hoch werden die Widerstände von Seiten der Reichen sein. Aber auch diese könnten profitieren, da auch ihnen der größere soziale Frieden zu gute kommt und sie sich nicht mehr in Ghettos einmauern müssten. Vorteil für alle: größere Geldwertstabilität, nähere Ausführungen dazu, wie bereits gesagt, unter Ziffer 6.

Zu Ziel 4: Keine Ausbeutung der armen Länder durch die wohlhabenden

Ethisches Postulat: Fairer Interessenausgleich zwischen den Volkswirtschaften der einzelnen Länder

Die Einkäufer der Unternehmen in den entwickelten Ländern sollten sich einmal fragen, wie die teilweise unglaublich niedrigen Preise zustande kommen. Oft durch frühkapitalistische Ausbeutung der Mitarbeiter, Kinderarbeit und Aufrechterhaltung katastrophaler Arbeitsbedingungen. Hier sind auch die Konsumenten – und die Journalisten gefragt. Es hat schon gelegentlich aufgrund von Presseberichten über die entsprechenden Verhältnisse bei Zulieferfirmen z. B. aus Indien Boykottaufrufe gegenüber Firmen hierzulande gegeben, die dann Wirkung gezeigt haben. Des weiteren weise ich auf die „Fair-Trade-Vereinigungen“ hin. Letztlich müssen auch die Verbraucher in den entwickelten Ländern bereit sein, aus ethischen Gründen höhere Preise zu bezahlen.

 

Höchst kritisierenswert ist in diesem Zusammenhang auch die Subventionspolitik der EG und der USA im Bereich der Landwirtschaft, die z. B. afrikanischen Bauern, die billiger produzieren könnten, das Wasser abgraben.

 

Ganz schlimm auch die Geschäftspolitik m. E. als kriminell und parasitär einzustufender Konzerne wie Monsanto, die sich Jahrtausende alte Zuchtmethoden patentieren lassen und so die Bauern selbst in Entwicklungsländern wie Indien zwingen, deren Saatgut zu kaufen. Vertraglich müssen sie sich zudem verpflichten, aus den Früchten kein neues Sattgut zu gewinnen. Selbstverständlich fließen auch bedeutende Summen an Bestechungsgeldern an Entscheidungsträger in den betreffenden Ländern, damit sie gegen die Interessen ihrer Bevölkerungen entscheiden. Den Vorwurf, Saatgut gentechnisch so verändert zu haben, dass aus den Früchten kein neues Saatgut mehr gewonnen werden kann, wies Monsanto zurück, ist aber nur eine Frage der Zeit. Neuerdings hat sich Monsanto Hühnerfutter patentieren lassen. Worauf sich dann letztlich die Absichten des Konzerns richten, ist klar: anschließend macht er Patentrechte auf die Eier, die diese Hühner legen, und auf ihr Fleisch geltend. Wenn das mit den Hühnern so klappt, geht es mit den anderen Tieren weiter. Am Ende müssen Produzenten und Verbraucher in der ganzen Welt für alle pflanzlichen und tierischen Lebensmittel Lizenzgebühren an Monsanto zahlen. Das Problem des Hungers in der Welt, vor allem in den Entwicklungsländern, wird erheblich verschärft. 

 

Als kriminelle Mitspieler sind hier die Staaten im Spiel, die solche Patentierungen zulassen, allen voran die USA. CDU und FDP haben zwar in ihrem Koalitionsvertrag festgelegt, keine Patente mehr auf Pflanzen zuzulassen, Taten sind bisher nicht gefolgt. Das EU-Patentamt vergibt laufend weitere Patente in diesem Bereich. Man scheut sich offenbar, sich mit der US-Administration anzulegen, mit der Monsanto bestens vernetzt ist.

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Global agierende Unternehmen mit eigenen Betrieben in den Entwicklungsländern sollten dort menschenwürdige Arbeitsbedingungen schaffen und eine faire Entlohnung vornehmen. Unternehmen, die dort von einheimischen Unternehmen produzieren lassen, sollten diese vertraglich verpflichten, ähnlich zu handeln. Natürlich muss man dann auch bereit sein, höhere Preise zu zahlen. Produkte einheimischer Unternehmen, die nicht speziell für bestimmte Unternehmen aus den entwickelten Ländern arbeiten, sollte man, soweit irgend möglich, nicht kaufen, solange diese sich ihren Mitarbeitern gegenüber ausbeuterisch verhalten. Keine Subventionen der in den entwickelten Staaten hergestellten Güter mit dem Ziel, die Produzenten in den anderen Ländern, die diese Güter z. B. aufgrund der klimatischen Bedingungen, günstiger herstellen können, in ihrer Existenz zu vernichten. Dann aber auch eine Verminderung unseres Konsums, da z. Zt. etwa 80 % der Weltressourcen von den entwickelten Ländern verbraucht werden.

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Gewinner und Verlierer gegenüber dem Status quo ante: Verlierer sind diejenigen Länder, die ausbeuten, Gewinner die ausgebeuteten. So scheint es wenigstens auf den ersten Blick. Zieht man aber die bei Fortsetzung des bisherigen Verhaltens zunehmende Zahl von Wirtschaftsflüchtlingen aus den armen Ländern, besonders aus Afrika, in unsere Sozialsysteme in Betracht, könnte sich bei signifikanter Änderung des Verhaltens und aktiver Unterstützung der Entwicklungsländer beim Aufbau einer eigenen tragfähigen Wirtschaft letztlich eine Win-win-Situation ergeben.

 

Zu Ziel 5: Eingrenzung leistungsloser Einkommen durch Spekulation

 

Ethisches Postulat: Füge nicht um des eigenen Vorteils willen anderen Schaden zu. Interessenausgleich zwischen Personen oder Unternehmen mit großem Finanzvermögen, insbesondere Banken, und der Allgemeinheit

 

Gegen den Handel mit Aktien und Schuldverschreibungen von Staaten und Unternehmen ist nichts einzuwenden. Stark eingegrenzt werden sollte jedoch der vom Volumen her um ein Zigfaches höhere Handel mit Derivaten und zweifelhaften  „Finanzprodukten“. Am besten sollte auf die Schaffung solcher substanzloser Produkte ganz verzichtet werden, desgleichen auf den Verkauf von Forderungen ohne Zustimmung der Schuldner und auf undurchsichtige Verbriefungen.

 

Durch derartige völlig verantwortungslos und unter dem Gesichtspunkt kürzestfristiger Gewinnmaximierung betriebene Praktiken wurde bekanntlich die jüngste Finanz- und Wirtschaftskrise ausgelöst, die auch bei privaten Kleinanlegern zu drastischen Vermögensverlusten führte und nicht selten die Mittel für die Alterssicherung aufzehrten.

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Durch solche Produkte ist schon wegen ihres Volumens eine ungeheuere Marktbeeinflussung möglich, ohne dass echte Substanz hinter den Produkten, z. B. Optionsscheinen, steht. Kapitalkräftige Gruppen, häufig Banken, können mit diesen Mitteln massiv gezielt Kurse manipulieren und dadurch in sehr kurzer Zeit (Tage oder Wochen) sehr viel Geld verdienen, nur dass dem Gewinn der Hasardeure  entsprechende Verluste anderer, häufig einer großen Zahl von Privatanlegern, gegenüberstehen. Natürlich können auch kleinere Anleger einmal mit auf der Gewinnerseite stehen. Auf längere Sicht gewinnen aber nur die Herausgeber solcher Papiere. Eine Gefahr für die Altersvorsorge solcher Menschen, die wenigstens einen Teil ihrer Ersparnisse für die Alterssicherung möglichst inflationssicher in Aktien anlegen wollen und dann von unter Verkaufsdruck gesetzten Bank-„Beratern“ immer wieder zum Kauf derartiger „Produkte“ überredet werden.

 

Diese Produkte werden aber nicht nur im Aktienbereich eingesetzt, sondern auch im Rohstoffbereich, mit der Folge massiver spekulationsbedingter Preiserhöhungen, die letztlich alle Verbraucher zu tragen haben. Natürlich gibt es über Short-Zertifikate auch Preismanipulationen nach unten. Aber auch hier stehen den Gewinnen der Auslöser solcher Wellen Verluste „normaler“ Marktteilnehmer gegenüber. Zudem haben die durch massive Spekulation ausgelösten Preisschwankungen im Bereich der Agrarrohstoffe einen negativen Einfluss auf die Versorgung gerade der ärmsten Länder mit Lebensmitteln.

 

Gewinner und Verlierer gegenüber dem Status quo ante: Banken und andere Großkapitalisten sind hier die Verlierer, die Allgemeinheit, insbesondere die Steuerzahler, aber auch die Masse der Kleinanleger sind die Gewinner.

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Zu Ziel 6: Möglichst hohe Geldwertstabilität zur Vermeidung von Altersarmut und zu hoher Belastung der nachfolgenden Generation

 

Ethisches Postulat: Fairer Interessenausgleich zwischen den Generationen

 

Permanente Geldentwertung führt dazu, dass die jüngeren, noch im Arbeitsprozess stehenden immer höhere Sozialbeiträge leisten müssen, um die älteren nicht mehr Arbeitenden zu ernähren. Das Problem wird dadurch verstärkt, dass sich die während der Arbeitsphase gebildeten Ersparnisse durch die Inflation dezimiert haben und daher nur noch wenig zum Lebensunterhalt beitragen können. Bei einer jährlichen Inflation von 3 % halbiert sich der Geldwert in 25 Jahren und viertelt sich in 50 Jahren!

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Bei Realisierung der Maßnahmen zu Ziffer 3 besteht keinerlei Notwendigkeit mehr für ritualisierte jährliche Lohnerhöhungen mit der Folge einer Steigerung auch der anderen Preise. Lohnerhöhungen sind eine bedeutsame Triebfeder für allgemeine Preissteigerungen. Karl Marx sagte, jedes Produkt sei letztlich „geronnene Arbeit“. Es gibt aber noch andere Faktoren für Preissteigerungen: die zunehmende Verknappung von Rohstoffen durch übermäßigen und teilweise völlig unsinnigen Konsum und die permanente ebenso unsinnige Vermehrung der Weltbevölkerung. Tendenziell preismindernd wirkt sich dagegen der technische Fortschritt aus. So kann es sein, dass ohne die bisherigen jährlichen Lohnerhöhungen die Preise über längere Zeiten relativ stabil bleiben. Gefördert würde die Preisstabilität noch durch sparsamen Umgang mit den begrenzten Ressourcen unseres Planeten, sh. Ziffer 7, und den Verzicht auf die Herstellung menschen- und naturschädlicher Produkte sowie von Produkten, die absolut entbehrlich sind, sh. Ziffer 8.

 

Auch die Maßnahmen zu dieser Ziffer dienen dem Ziel, die nachfolgende Generation nicht über Gebühr zu belasten. Angesichts der dauernden nicht geringen Inflation sehen sich heute viele Sparer veranlasst, der Entwertung ihrer Ersparnisse dadurch zu begegnen, dass sie anfangen, mit den Ersparnissen zu spekulieren, was in den allermeisten Fällen zu Verlusten führt, die zusätzlich an den Ersparnissen zehren.

 

Gewinner und Verlierer gegenüber dem Status quo ante: Ich sehe hier eine Win-win-Situation.

 

Zu Ziel 7: Sparsamer Umgang mit den begrenzten Ressourcen unseres Planeten

 

Ethisches Postulat: Fairer Interessenausgleich zwischen den heute und den künftig lebenden Menschen (unseren Nachkommen)

 

Dieses Ziel ist auf eine Verminderung des Konsums pro Kopf insbesondere der Menschen in den entwickelten Ländern gerichtet, die ohnehin bei fortschreitender Entwicklung der heute noch weniger entwickeltem Länder eintreten wird.  Ich predige hier kein Leben in Sack und Asche. Aber vieles, was heute hergestellt und mit hohem Werbeaufwand in den Markt gepresst wird, ist absolut entbehrlich. Vor allem können wir gekaufte Güter länger verwenden. Wir leben in den entwickelten Ländern in einer Wegwerfgesellschaft. Dass es auch ganz anders geht, zeigen uns die Kubaner, die heute noch mit Autos aus den 50er Jahren herumfahren, die sie immer wieder instand setzen. Aber so verfahren sie auch mit allen anderen Produkten; selbst Einmalfeuerzeuge werden wieder befüllt. Da nichts weggeworfen wird, was noch irgendwie verwendet werden kann, entschärft sich dort auch das Müllproblem. Das alles hängt natürlich neben anderen Faktoren mit dem unsinnigen US-Embargo zusammen. Ganz so weit brauchen wir es ja nicht zu treiben. Aber bestimmt werden wir nicht unglücklicher, wenn wir unsere Kleidung länger tragen, uns also bei vollem Kleiderschrank nicht dem Diktat der Modefirmen beugen, unsere Autos länger fahren oder auch auf das Zweit- oder Drittauto verzichten, nicht soviel Lebensmittel wegwerfen und dergleichen mehr. Zudem gibt es eine Reihe von Produkten, die wir aus einer Laune heraus kaufen oder weil sie uns aufgeschwatzt wurden, die wir nie benutzen und dann irgendwann entsorgen. Viele Souvenirläden oder Geschenkartikelläden sind voll davon. Aber auch im Technikbereich einschließlich EDV und Internet werden uns immer mehr entbehrliche Waren und Dienstleistungen als ein „must have“ verkauft. Letztlich muss hie jeder selbst entscheiden, wie viel seines Einkommens er aktuell verbrauchen will und wofür.

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Für die Herstellung aller Güter werden knappe Ressourcen unwiederbringlich verbraucht, die dann künftigen Generationen, auch schon unseren Enkeln, nicht mehr zur Verfügung stehen. Wir in den entwickelten Ländern verhalten uns so, als ob wir noch mehrere Erden zur Ausbeutung in Reserve hätten. Nun könnte man einwenden: Wenn wir weniger verbrauchen, somit also weniger Güter herstellen, z. B. in Deutschland weniger Autos, wenn wir unsere Kleidung länger tragen, keine unsinnigen Souvenirs mehr kaufen, Strom und Wasser sparen, keine Zigaretten mehr rauchen und anders mehr, gibt es ein Arbeitslosenproblem. Hier verweise ich auf Ziffer 1, Verteilung der jeweils vorhanden Arbeit, und wiederhole den Satz: Was wäre dagegen einzuwenden, wenn wir künftig alle nur noch 20 Stunden in der Woche arbeiteten, wenn in dieser Zeit die Güter hergestellt und die Dienstleistungen erbracht werden können, die wir zu einem einigermaßen komfortablen Leben benötigen aber eben nicht mehr?

 

Gewinner und Verlierer gegenüber dem Status quo ante: Ich sehe hier eine Win-win-Situation.

 

Zu Ziel 8: Möglichst geringe Belastung der Umwelt durch Produktion und Konsum, Verzicht auf die Herstellung gesundheits- und umweltschädlicher Produkte

 

Ethisches Postulat: Ausgleich zwischen verschiedenen gegenwärtigen Bedürfnissen, aber auch zwischen unseren gegenwärtigen Bedürfnissen und denen unserer Nachkommen

 

Wir wünschen uns ein Leben in Wohlstand, d. h. wir möchten eine bestimmte Menge an Gütern verbrauchen. Wir wünschen uns aber auch Gesundheit und ein Leben in einer intakten Umwelt. Nun ist es aber so, dass die Umwelt um so mehr – für uns und unsere Nachkommen auch gesundheitsschädlich – belastet wird, je mehr Güter produziert und verbraucht werden. Allein schon unser Wohlstandsmüll führt zu Umweltbelastungen. Die Installation und Anwendung von Techniken für möglichst wenig  die Umwelt belastende Produktionsprozesse kostet Geld und verteuert damit die Güter, so dass wir uns bei einem gegebenen Budget weniger Güter kaufen können. Hier müssen wir uns entscheiden, was wir wollen: Maximalen Konsum um jeden Preis, auch den der Verpestung der Luft, der Vergiftung von Gewässern und dergleichen, oder geringerer Konsum und dafür Erhaltung oder gar Verbesserung der Umweltbedingungen, unter denen wir und unsere Nachkommen leben. Da wohl kaum eine Produktion ganz ohne Umweltbelastung erfolgen kann, gilt auch hier: „Finde das rechte Maß!“

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Die Suche nach dem rechten Maß ist bereits im Gange. Die EG und insbesondere Deutschland sind ein Vorreiter in Sachen Entwicklung und Anwendung von Umwelttechnologie und haben auch bereits den Einstieg in eine Monetarisierung von Umweltbelastungen gefunden (Handel mit Emissionsrechten). Diese Entwicklung gilt es konsequent weiterzuführen und auf die ganze Erde auszudehnen.

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Auf die Herstellung und die Verwendung von Produkten, z. B. bestimmten Pflanzenschutzmitteln, die die Natur und unsere Gesundheit schädigen, sollten wir ausnahmslos verzichten. In den entwickelten Ländern bestehen Verbote, solche Produkte anzuwenden, häufig aber nicht, sie zu produzieren und in die weniger entwickelten Länder zu exportieren, in denen es solche Verbote noch nicht gibt. Als höchst unethisch ist es auch anzusehen, dass in entwickelten Ländern ansässige Unternehmen Betriebe oder Tochtergesellschaften in den anderen Ländern unterhalten, die diese Mittel dort in großem Stil und ohne jede Rücksicht auf die Gesundheit der dort tätigen – einheimischen- Arbeiter und auf die dortige Umweltwelt einsetzen – und nicht selten durch Bestechung der dortigen Administration dafür sorgen, dass diese Länder keine entsprechenden Verbote oder Arbeitsschutzbedingungen erlassen oder deren Einhaltung zumindest nicht kontrollieren.

 

Nicht unerwähnt lassen möchte ich die Produktion von Waffen. Jede Waffe ist ein Instrument zur Tötung anderer Menschen. Aber in kaum einer anderen Branche wird soviel Geld verdient. Daher blüht der Waffenhandel; Länder wie Russland und China versorgen damit Terroristen, Gangsterbanden und Bürgerkriegsparteien in aller Welt.

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Waffenlieferungen an Staaten führen immer wieder dazu, dass diese sie gegen die eigenen Bürger einsetzen. Derartige Geschäfte sind generell unethisch und zutiefst antihumanistisch, ganz abgesehen von ihrem Ressourcenverbrauch.

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Aber auch die Konsumenten können zur Schonung der Umwelt beitragen, z. B. dadurch dass sie durch Verzicht auf Verpackungen und Plastiktüten ihren Müll soweit wie möglich reduzieren, ihren Müll ordnungsgemäß und getrennt entsorgen und nicht achtlos wegwerfen oder bei Ausflügen in der freien Natur liegen lassen.

 

Gewinner und Verlierer gegenüber dem Status quo ante: Ich sehe hier im wesentlichen eine Win-win-Situation. Verlierer wären allerdings die Produzenten menschen- und naturschädlicher Produkte einschließlich der Waffenhersteller.

 

Zu Ziel 9: Insgesamt: größere Lebensqualität für die bisher Benachteiligten, teils aber auch für die bisher Begünstigten, und für die nachfolgenden Generationen

 

Bei einer auch nur teilweiser Umsetzung der vorgestellten Maßnahmen hätten wir insbesondere:

  • eine signifikant geringere Arbeitslosigkeit, und zwar auch bei weiterem arbeitssparenden technischen Fortschritt, damit auch mehr Mittel zur Unterstützung der verbleibenden Arbeitslosen und derer, die nicht arbeiten können
  • humanere Arbeitsbedingungen
  • größere Verteilungsgerechtigkeit, Durchbrechung der sich immer mehr ausweitenden Schere zwischen reich und arm, auch international
  • Verminderung des Hungerproblems
  • größere Geldwertstabilität mit positiven Auswirkungen auf die Altersversorgung der breiten Bevölkerungskreise
  • geringeren Verbrauch von begrenzten Ressourcen und damit bessere Lebensbedingungen für unsere Nachkommen
  • weniger nationale und internationale Konflikte im Hinblick auf die Verteilung knapper Ressourcen
  • größeren sozialen Frieden, weniger Aggression, geringere Tendenz zum Fundamentalismus
  • eine sauberere Umwelt mit entsprechenden Auswirkungen auf Gesundheit und Lebensqualität aller Menschen, auch der nachfolgenden Generationen

 

Möglichkeiten der Durchsetzung der Postulate

Zunächst geht es erst einmal darum, durch eine breit angelegte Diskussion einen Bewusstseinswandel zu initiieren. Teilweise ist ein solcher bereits zu beobachten. Es gibt Unternehmer und Spitzenmanager, die von der Notwendigkeit der Einhaltung ethischer Regeln in ihren Unternehmen sprechen. Taten sind allerdings kaum gefolgt..

Ethisches Wirtschaften ist nun einmal mit Kosten verbunden, die zu höheren Preisen und/oder geringeren Gewinnen führen. Prescht ein Unternehmen im Alleingang damit vor, gerät es in Wettbewerbsnachteil gegenüber den anderen. Daher ist hier letztlich der Staat gefordert, um entsprechende Rahmenbedingungen zu setzen, die für alle gelten. Das können Gebote und Verbote sein, aber auch marktkonforme Maßnahmen wie die konsequente Monetisierung aller die Umwelt belastenden Aktivitäten, z. B. die Verschmutzung der Luft, der Binnengewässer, der Meere und die Zerstörung der Ozonschicht. Ein Staat alleine kann allerdings in der globalisierten Welt nicht viel ausrichten. Es bedarf daher internationaler Abstimmung. Wie schwierig dieses Geschäft trotz vorhandener Einsicht ist, sehen wir im Bereich des Klima- und Umweltschutzes. Immer sind es nationale Egoismen, die einem Fortschritt im Weg stehen, sogar innerhalb der EG, von den USA, Russland und China einmal gar nicht zu sprechen. Gleichwohl sollten, ja müssen wir uns auf den Weg machen; Deutschland könnte dabei die Vorreiterrolle übernehmen, sobald es wieder eine starke Regierung hat. Sollten sich aber einmal die entwickelten Staaten hinsichtlich bestimmter Regeln einig sein, könnten diese Staaten die dort ansässigen Unernehmen verpflichten, durch vertragliche Auflagen für die Einhaltung entsprechender Regeln – vielleicht zunächst in abgeschwächter Form – auch durch die Unternehmen in den anderen Staaten zu sorgen, von denen sie Produkte beziehen.

 

Auch die Verbraucher können in dieser Richtung tätig werden, indem sie sich weigern, Produkte solcher Hersteller aus den anderen Ländern zu kaufen, die bestimmte ethische Regeln nicht einhalten. Ich erinnere daran, dass es schon Boykottaufrufe von Verbrauchern gegenüber einheimischen Firmen gegeben hat, die in Indien oder Bangladesch Zulieferbetriebe mit Kinderarbeit beschäftigten, mit der Folge, dass diese Firmen sofort tätig wurden, um dieses zu unterbinden. Auch eine wachsame Presse mit investigativem Journalismus kann hier sehr hilfreich wirken. Niemand lässt sich gerne als Schuft an den Pranger stellen.

Um die Konsumenten bei ihren Bemühungen, ihren Verbrauch sinnvoll zu reduzieren, zu unterstützen, sollte es ein generelles Werbeverbot geben, wie heute schon bei Zigaretten. Sachgerechte Information sollte weiterhin erlaubt sein. Natürlich ergeben sich hier Abgrenzungsfragen, über die man zu gegebener Zeit zu diskutieren hätte. ..

Es ist klar, dass die genannten Ziele nur schrittweise verwirklicht werden können. Wir sind ja zum Teil bereits auf dem Weg. Widerstände sind natürlich von Seiten der derzeit ungerechtfertigt Begünstigten und deren Lobby zu erwarten. Aber die große Mehrheit steht auf der anderen Seite und müsste daher in demokratisch verfassten Staaten Maßnahmen zur Realisierung der Ziele auch notfalls gegen die anderen durchsetzen können.

Kommentare (17)

  1. Comment by Gisbert König - Nr. 1

    Ohne die anderen Postulate in ihrer Bedeutung herabsetzen zu wollen, ist doch das 3. Postulat (faire Verteilung des Produktionsergebnisses) dasjenige, das am ehesten die weitere Ungleichverteilung des Reichtums dieser Welt stoppt. Während für Karl Marx die Lösung in einer Enteignung der Besitzenden und Überführung ihres Eigentums in „Volkseigentum“ lag, würde bei Realisierung meiner Vorschläge niemandem etwas weggenommen. All diejenigen, die ihren Besitz nach den derzeit geltenden Gesetzen rechtmäßig erworben haben, dürften ihre Ländereien, Goldbestände, Bankguthaben, Wertpapiere und Unternehmensbeteiligungen etc. behalten. Allerdings sollte durch eine relativ hohe Schenkung- und Erbschaftsteuer auf größere Vermögen, auch Betriebsvermögen, eine gewisse Umverteilung stattfinden. Soweit Betriebsvermögen zur Debatte steht, wird immer wieder angeführt, dass die Unternehmen durch hohen Liquiditätsabfluss zur Zahlung dieser Steuern gefährdet werden könnten. Dem kann aber durch ratenweise Zahlung begegnet werden, vielleicht auch dadurch, dass ein Teil dieser Steuern durch Hergabe von Beteiligungen an diesen Unternehmen aufgebracht werden kann, die der Staat dann zum Kauf anbietet.

    Dass das, was Marx als „Mehrwert“ bezeichnete, allein den Unternehmern bzw. Kapitalgebern zusteht, ist ein Gedanke, der in den Köpfen der Menschen, vor allem natürlich der Besitzenden, seit jeher fest verankert ist. Auch der Kommunismus hat daran nichts geändert. Der Mehrwert kam dort nicht etwa den Arbeitern zugute, sondern dem Moloch Staat. Dieser verfuhr damit nach eigenem Gutdünken, verwendete ihn z. B. zur Etablierung einer überbordenden Bürokratie, eines allgegenwärtigen Spitzeldienstes, eines Archipels Gulag, für militärische Zwecke und für Prestigeobjekte. Die den Mehrwert erarbeitet hatten, hatten keine Mitspracherechte und vor allem keine Teilhabe.

    Meine Lösung des Problem der Ungleichverteilung geht nicht auf eine Enteignung, sondern auf eine faire Teilung des künftig erwirtschafteten Mehrwerts, also des Gewinns, zwischen Kapitalgebern und Arbeitnehmern. Das bedeutet ein radikales Abschiednehmen von dem Gedanken, der Gewinn gehöre „selbstverständlich“ ausschließlich den Kapitalgebern.

    Bei Verwirklichung dieses Postulats dürfte allerdings der merkantile Wert von Aktien und anderen Unternehmensbeteiligungen wegen der dann geringeren den Kapitaleignern zukommenden Gewinnanteile, also einer geringeren Rendite (nicht der Unternehmen als solchen, sondern der Kapitalbeteiligungen) tendenziell sinken. Davon wären nicht nur Großkapitalisten, sondern z. B. auch Kleinaktionäre und Pensionskassen betroffen. Das sind leider unvermeidbare und hinnehmbare „Kosten“ der Umstellung auf eine humanistische Wirtschaftsordnung, die es nun einmal nicht zum Nulltarif gibt. Sie werden allerdings durch eine schrittweise Verwirklichung zeitlich gestreckt.

  2. Comment by Gisbert König - Nr. 2

    Die Stiftung Weltethos hat 2009 ein Papier mit dem Titel „Globales Wirtschaftsethos“ verfasst. Hier der Text, der auch bereits in den Medien diskutiert wurde:

    http://www.religiosophie.de/Globales-Wirtschaftsethos.pdf

    Die dortigen Ausführungen ergehen sich allerdings weitgehend in Allgemeinplätzen. Zudem erstrecken sie sich nicht nur auf den Bereich der Wirtschaft, sondern allgemein auf das menschliche Miteinander. Der Text spricht das Problem der sich immer weiter ausbreitenden Ungleichverteilung der Güter dieser Erde nicht einmal an und enthält demzufolge auch nicht das Postulat einer Teilung des Gewinns zwischen Kapitaleignern und Arbeitnehmern, das ich aber als den Dreh- und Angelpunkt dafür ansehe, dass die Ungleichverteilung sich nicht weiter fortsetzt, jedenfalls nicht in dem ansonsten zu erwartenden Ausmaß.

  3. Comment by Wolfgang Solfeld - Nr. 3

    Auch der Vatikan hat das Thema für sich entdeckt:

    http://www.oecumene.radiovaticana.org/ted/Articolo.asp?c=496628

  4. Comment by Gottfried B. - Nr. 4

    Dein Text fordert sehr viele gesetzliche Regelungen, Kritiker könnten es auch als Überregulierung bezeichnen. Mir schwebt eher ein Modell vor, das mit ganz wenigen und ganz einfach durchschaubaren Regeln auskommt und sich ansonsten (oder gerade wegen dieser Regeln) selbst reguliert. Im Endeffekt könnte das Gleiche wie bei Deinem Modell erreicht werden: Ein erträgliches Leben für die „Masse“, aber keine Extreme nach oben oder unten. Die wichtigsten Punkte hierzu wären:

    a) Ein einfacher Steuertarif, aber OHNE JEDE AUSNAHME! Es ist eine Vergeudung von Geld, Zeit und Kreativität, dass Millionen von Arbeitnehmern jedes Jahr tagelang an ihrer gefürchteten Steuererklärung herumrätseln und -basteln müssen (oder ein paar Tage nur dafür arbeiten müssen, um das Honorar für den Steuerberater zu erarbeiten). Und es benachteiligt auch Arbeitnehmer, weil sich nur Gutbetuchte einen wirklich guten und raffinierten Steuerberater und Steuersparmodelle leisten können. Dem Arbeitnehmer wird monatlich die Steuer abgezogen und er kann im nächsten Jahr nur hoffen, ein paar Euro zurückzubekommen. Ein einfacher Steuertarif könnte z.B. so aussehen:

    # bis 20 000€ Jahreseinkommen: null
    # 20.000 bis 30.000: 5%
    # 30.000 bis 40.000: 10%
    # 40.000 bis 50.000: 20%
    # 50.000 bis 60.000: 30%
    # 60.000 bis 70.000: 40%
    # 70.000 bis 80.000: 45%
    # 80.000 bis 90.000: 50%
    # über 90.000: 55%

    (diese Zahlen sollen nur Beispiele sein, wie ich mir die Abstufung vorstelle: ich bin gegen die groben zwei oder drei Stufen von Kirchhoff, von Merz oder der FDP)

    b) Stark gestaffelte Konsumsteuern:

    # Lebensmittel und Kleidung 5%
    # Sonstige Massenware: 15%
    # Luxusgüter: 50%

    (auch diese Zahlen sollen nur andeuten, worum es mir grundsätzlich geht)

    c) Finanztransaktionssteuer!

    d) Erbschaftsteuer!

    e) Mindestlohn: Von den jetzigen branchenspezifischen Mindestlöhnen bin ich nicht überzeugt, erstens weil sie nicht alle Geringverdiener erfassen, zweitens weil sie unterschiedliche Niveaus aufweisen. Aber ein Mindestlöhner aus dem Wachgewerbe hat die gleichen Lebenshaltungskosten wie ein Mindestlöhner aus dem Pflegegewerbe.

    f) Bedingungsloses Grundeinkommen: Ich möchte es in die Diskussion werfen aus folgendem Grund:

    Das jetzige ALG II ist FAKTISCH ohnehin ein Grundeinkommen, das aber mit schier unvorstellbaren materiellen und immateriellen Begleitkosten verbunden ist:
    Was meine ich mit „faktisch“? Hierzu die tatsächlichen Zahlen (die offiziell monatlich vorgestellte Statistik ist nur Fassade): Mit Stand von Mai 2011 gab es 4.710.397 erwerbsfähige ALG II-Empfänger; davon konnten nur 197.000 in „Arbeitsgelegenheiten“ (= 1€-Job) gebracht werden, also nur ca. 4 Prozent !!! Für die restlichen 96 % wird ein unglaublicher Aufwand getrieben, der Geld, Personal, Kreativität etc. bindet.
    Was meine ich mit materiellen und immateriellen Begleitkosten? Nun, an der Betreuung der ALG II-Empfänger sind ja zunächst einmal viele zehntausende Angestellte und Beamte in weit über 100 Hundert Jobcentern beteiligt. Diese veranstalten Millionen von Vorladungen, Gesprächen, von Zielvereinbarungen etc. Da aber viele Betroffene nicht mit den Entscheidungen einverstanden sind, gibt es auch viele Zehntausende Widersprüche und Klagen vor den Sozialgerichten, die ihrerseits wieder bearbeitet werden müssen. So sind auch viele gutbezahlte
    – Rechtsanwälte
    – Gutachter
    – Sozialrichter
    – Mitarbeiter von Gewerkschaften, VdK etc.
    mit von der Partie. Da ALG II-Empfänger sich natürlich keinen Rechtsanwalt leisten können, zahlt sogar die Behörde die Rechtsanwälte, die gegen sie selbst klagen!!! Es sind also Heerscharen allein mit der minimalsten Verwaltung dieser 4,7 Mio. beschäftigt! Aber es geht noch weiter: Man will und muss den Leuten ja auch Gutes tun, also werden sie in Deutschkurse, Bewerbungstrainings, PC-Kurse bis hin zu Umschulungen (eine einzige Vollumschulung kann bis zu 50.000 € kosten!) geschickt; meist mit katastrophalen Resultaten. Aber: ES LEBT EINE MASSENHAFTE FORTBILDUNGSINDUSTRIE ALLEIN DAVON!
    Für alle, die ein wenig Einblick in das Innenleben der jetzigen Sozialindustrie haben, ist Bestürzung ein einheitliches Empfinden. Was dort ZUSÄTZLICH vergeudet wird, ist schlicht unvorstellbar.

    Hinzukommt, dass es ja auch ganz vernünftige Leute unter den ALG II-Empfängern gibt, die aber ihre Kreativität nun in der Konfrontation mit der Behörde ausleben. Auch diese Kreativität könnte sinnvoller eingesetzt werden, wenn man ohne Konfrontation und den gesamten damit verbundenen Aufwand eine Geldleistung auszahlen würde. Ich kenne Leute, die haben über 100 (!) Widersprüche und Klagen laufen! Jetzt stell Dir vor, was eine einzige solche Person an Arbeitszeit, Ärger und Kosten auf Seiten der Behörde und der Sozialgerichte bindet!

    Aber damit ist immer noch nicht Schluss: In ihrer Verzweiflung versuchen die Jobcentermitarbeiter permanent, leistungsgeminderte Arbeitslose an die Rentenversicherung weiterzureichen: Dann läuft in jedem einzelnen Fall dort eine bürokratische und gutachterliche Maschinerie zur Bearbeitung der Rentenanträge einschließlich medizinischer Begutachtungen an, (allermeistens) mit dem Ergebnis einer Rentenablehnung, alles extrem kostenintensiv! Auch gegen diese Rentenablehnungen hat der Mensch dann wieder das Recht, Widerspruch und Klage zu erheben, so dass sich die Widerspruchsausschüsse und Sozialgerichte auf dieser Ebene erneut mit diesen Leuten beschäftigen müssen, und die (von den Behörden bezahlten) Rechtsanwälte wieder kräftig abkassieren.

    Fazit: Auf BEIDEN Seiten wird Geld, Energie, Kreativität, Zeit… in gigantischer Höhe vergeudet, die man sinnvoller anlegen könnte. Ohne Konfrontation würden wahrscheinlich sogar mehr als die genannten 4% freiwillig eine gemeinnützige Arbeit übernehmen als im jetzigen Klima der Konfrontation, oder würden andere sinnvolle Sachen (aber vielleicht nicht oder nur gering entlohnte) anpacken. Daher mein Interesse an einem Grundeinkommen.

  5. Comment by Gisbert König - Nr. 5

    Seit dem Jahr 2005 setzt sich Götz Werner (Gründer von dm) öffentlich für ein bedingungsloses Grundeinkommen in Deutschland nach einem von ihm ab 1982 entwickelten Konzept ein. Die Finanzierung des Grundeinkommens beruht demnach auf der allmählichen Abschaffung der Einkommensteuer und der gleichzeitigen Erhöhung der Mehrwertsteuer als „Konsumsteuer“ auf 100 %. Im November 2005 gründete er dazu die Initiative „Unternimm die Zukunft“. (aus Wikipedia)

    Aus meiner Sicht kann eine Erhöhung der Umsatzsteuer auf 100 % nicht in Betracht kommen. Hier bevorzuge ich eine wie auch immer gestaffelte Konsumsteuer. Bei Wegfall der Einkommensteuer müsste diese natürlich höher sein, als von Gottried B. vorgeschlagen. Als weitere entscheidende Steuer sehe ich die Schenkung- und Erbschaftsteuer an, sh. den 1. Kommentar am Ende des 1. Absatzes.

  6. Comment by Philzer - Nr. 6

    Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen dass man:

    – Eine Theorie über eine wissenschaftlich-pluralistische (nicht esoterisch-pluralistisch, also religiös, wie die Demokratie) Gesellschaftsformation in die Köpfe der unendlichen Milliarden des Globus bekommt. Dafür sind sie nicht gemacht, sie sind dreidimensional. F. Engels: „und der Mensch schuf sich das Menschenvieh und krankt noch heute daran.“
    -> die größte humanistische Idee des Kommunismus war nun allerdings selbige, wonach die Schulbildung ausreichen würde, aus dem Menschenvieh wieder Menschen zu machen – na ja, es gab eben noch keine Psychoanalyse. 😆

    – Nicht mal hier würden wir einen Konsens über eine solche Formation hinbekommen! Und dabei ist hier noch die Bildung am höchsten!

    – Und global sein müsste es außerdem, denn die Bourgeoisie ist längst global -> Jeder nationale Widerstand ist deshalb m.E. zum Verrecken verdammt.

    Das einzige, über das man mit opportunistischen Individuen einen Konsens erreichen könnte, wäre ein Schlaraffenland. Nichts sonst.

    Vor dem nächsten globalen GAU wird es also keinerlei Handlungsoption geben. Deshalb ist meine Philosophie analytisch. Für die Zeit danach.

    Denn ich denke, dass der GAU zwar unvermeidlich sein wird, aber doch eine stark dezimierte Anzahl an Individuen ihn überstehen wird.

  7. Comment by Formalist - Nr. 7

    Unsere Hilfsbereitschaft hat Grenzen. Selbst wenn es um „persönlichen Lebensstandard“ contra „akute Lebensgefahr Anderer“ geht.

    Wenn also offensichtlich der individuelle ethische Standard der absoluten Mehrheit westlicher Demokratien gering ist, so ist es unrealistisch, von den Regierungen dieser Demokratien einen höheren Standard zu erwarten.

  8. Comment by S. E. - Nr. 8

    Zitat: „Letztlich müssen auch die Verbraucher in den entwickelten Ländern bereit sein, aus ethischen Gründen höhere Preise zu bezahlen.“

    ICH als Harz IV Empfänger bin auf diese billigen Waren angewiesen, ich kann mir viele „gute“ Markenartikel einfach nicht leisten.

    Antwort von G. K.

    Ja, so ist es, leider. Aber bei Verwirklichung meiner Postulate, insbesondere zu 1 und 3, ginge es der breiten Bevölkerung spürbar besser, zumal wenn dann noch ein Steuer- und Transfersystem mit umverteilerischem Charakter hinzukäme. Dann gäbe es deutlich weniger Harz IV Empfänger und für diese mehr als bisher; oder gar keine mehr, wenn es zu einem bedingungslosen Grundeinkommen kommen würde.

  9. Comment by CB Auto Profits, UK - Nr. 9

    Wow! This can be the first time that I saw a person write this kind of a tremendous report on that offered topic. I truly value your efforts! Maintain on doing these a great task mate!

  10. Comment by Gisbert König - Nr. 10

    Nachdem ich meine Abhandlung geschrieben hatte, sah ich 2 Fernsehdokumentationen. Die eine über die Praktiken der amerikanische Lebensmittelindustrie, die sich in der Hand von nur 4 Konzernen befindet, die andere über das Verhalten der Ölmultis außerhalb Europas. Beide Filme dokumentierten gerade zu unglaubliche Verbrechen an Menschen, an Tieren und an der Umwelt allein im Interesse des größtmöglichen Profits. Ob wir eine Chance haben, dieses zu ändern? Die großen, global agierenden Konzerne sind auf das Engste mit der Politik, dem Militär, der Polizei und der Justiz verfilzt. Enorme Gelder werden für Bestechung ausgegeben, insbesondere in den Entwicklungsländern. Und die Vertreter dieser Unternehmen belügen die Öffentlichkeit und Journalisten, die sie interviewen, sofern sie überhaupt zu einem Interview bereit sind, in einer kaum noch zu überbietenden Dreistigkeit.

  11. Comment by Anonymous - Nr. 11

    Ich will ich nur kurz einige Autorenverweise da lassen, die vielleicht aufschlussreich sind.
    Ohne dogmatisch klingen zu wollen, empfehle ich kommentarlos folgende Autoren:

    Marx
    Engels
    Bakunin
    Landauer
    Adorno
    Marcuse
    Althusser
    Foucault

  12. Comment by Michael Schmidt-Salomon - Nr. 12

    Ich stimme den Ausführungen zu einer Humanistischen Wirtschaftsordnung durchgängig zu, teilweise auch den ergänzenden Kommentaren (etwa von Gottfried B.).

    Möglicherweise muss man in Bezug auf die Geldwertstabilität (Punkt 6) aber noch radikaler denken. Kennst du die Bücher von Helmut Creutz, etwa dieses:
    http://www.amazon.de/Die-Irrt%C3%BCmer-rund-ums-Geld/dp/3854367015/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1310989449&sr=8-1
    Normalerweise halte ich nicht so sonderlich viel von den Freigeld-Theoretikern, Helmut Creutz hat mir aber zu denken gegeben.

    Was die Punkte 7 und 8 betrifft, sollte man m.E. auch den C2C-Ansatz von Michael Braungart beachten:
    http://www.amazon.de/Einfach-intelligent-produzieren-Gebrauchsanweisungen-Jahrhundert/dp/383330183X/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1310989628&sr=1-1

    Das große Problem freilich wird sein: Wie bringt man die notwendigen Veränderung in Gang? Auf die Politiker kann man hier wohl nur wenig zählen. Der Druck muss von den Bürgerinnen und Bürgern selbst kommen. Dazu müsste man ihnen vor allem klar machen, dass sie selbst (und ihre Nachkommen) von den Veränderungen profitieren würden.

  13. Comment by Gisbert König - Nr. 13

    Wie aktuell der Aufsatz ist, zeigen u. a. die seit Mitte Juli 2011 andauernden und sich stetig ausweitenden Proteste in Israel. Man rechnet damit, dass sich bis Anfang September eine Million Menschen an den Samstag-Demos beteiligen werden, das ist ein Siebtel der gesamten Bevölkerung!

    Die Demonstrierenden sehen das globale Wirtschaftssystem, so wie es derzeit praktiziert wird, als destruktiv an und fordern soziale Gerechtigkeit. Darunter verstehen sie insbesondere:

    1. faire Löhne

    Einige große Unternehmerfamilien machen, nicht nur auf legale, aber durch Bestechung der maßgebenden Politiker tolerierte Art und Weise, enorme Gewinne und werden immer reicher, während inzwischen selbst die bisherige Mittelschicht, auch wenn bei Verheirateten beide arbeiten, Probleme hat, den Lebensunterhalt der Familie, die Gesundheitsvorsorge und ihren Kindern Bildung und Ausbildung zu finanzieren.

    2. Umverteilung der Steuern

    d. h. zum einen höhere Steuern für Großverdiener und zum anderen anderweitige Verwendung der Steuergelder, insbesondere für Gesundheitswesen und Bildung statt für Militär, Siedler und Ultraorthodoxe, die größtenteils keiner Erwerbstätigkeit nachgehen, sich also als Schmarotzer voll vom Staat alimentieren lassen.

    3. (generell) einen neuen Gesellschaftsvertrag mit mehr sozialem Ausgleich.

    Hier haben wir bereits den Druck von Seiten der Bevölkerung, den Schmidt-Salomon in seinem Kommentar einfordert.

  14. Comment by Gisbert König - Nr. 14

    Servus-TV Hangar 7

    In der Sendung vom 11.8.2011 ging es mit hochkarätigen Teilnehmern um das Thema „Grenzen“. Dabei kamen auch einige der Fragen zur Sprache, die Gegenstand meines Aufsatzes über eine humanistische Wirtschaftsordnung sind.

    Shalina Randeria, Ethnologin, Sozial- und Kulturanthropologin und Professorin an der Uni Zürich ging u. a. auf die Grenzen zwischen arm und reich ein, und hatte dabei sowohl die Grenzen zwischen armen und reichen Ländern im Blick, wie auch die Grenzen zwischen arm und reich innerhalb einer Volkswirtschaft. In beiden Fällen seien Grenzverschiebungen notwendig, und zwar durch die Politik, die für die meisten Grenzen aller Art verantwortlich sei.

    Matthias Lutz-Bachmann, Professor für politische Philosophie und Vizepräsident der Goethe-Uni Ffm, verwies kritisierend u. a. auf die Grenzen, die entwickelte Länder der Einfuhr von Produkten aus den weniger entwickelten Ländern setzen, während sie selbst für die Ausfuhr ihrer Produkte in diese Länder offene Grenzen beanspruchten.

    Frank A. Meyer, Chefpublizist des Ringier-Verlags und einer der einflussreichsten Journalisten der Schweiz, forderte, dass die Schweiz als Nettozahler der EG beitritt. Auch er beklagte die Defizite ethischen Verhaltens in der Wirtschaft und erwähnte in diesem Zusammenhang die Bemühungen von Hans Küng und anderen um ein globales Wirtschaftsethos, sh. oben den Kommentar Nr. 2. Da die globale Realisierung auf sich warten lasse, empfahl er einzelnen Ländern, so insbesondere und ausdrücklich Deutschland, notfalls im Alleingang damit anzufangen und eine Vorreiterrolle zu übernehmen.

  15. Comment by Gisbert König

    14.11.2012
    Apple gesteht schlechte Bedingungen bei Zulieferern ein:

    „Bei einem einem großen Teil der Zulieferer-Betriebe des US-Technologiekonzerns Apple herrschen schlechte Bedingungen für die Arbeiter. Das geht aus einer internen Untersuchung hervor. Demnach hielten nur 38 Prozent der Zulieferer die von Apple festgesetzte Norm einer maximalen Wochenarbeitszeit von 60 Stunden und einem garantierten freien Tag pro Woche ein. Ein Drittel der Zulieferer waren nachlässig im Umgang mit gefährlichen Substanzen und ebenfalls ein Drittel hielt Standards zur Sicherheit am Arbeitsplatz nicht ein.“

    Ausbeutung ohne Grenzen: Selbst 60 Wochenarbeitsstunden sind Apple und seinen Zulieferen noch nicht genug. Im Klartext: bei 62 % der Zulieferer mussten die Mitarbeiter bei minimalen Löhnen womöglich an 7 Tagen pro Woche je 10 Stunden arbeiten, am 7. Tag möglicherweise sogar ohne Lohn (keine Bezahlung von Überstunden). Dazu noch Kinderarbeit. Und der neue Chef bekommt als Antrittsentgelt 380 Millonen $ !

    Weiter hier:  http://www.religiosophie.de/apple.pdf

    oder hier:  http://www.tagesschau.de/wirtschaft/apple204.html

  16. Comment by Gisbert König

    Vale zum übelsten Konzern der Welt gewählt:

    http://www.religiosophie.de/Vale.pdf

  17. Comment by Gisbert König

    Unbedingt hörenswert:

    Vortrag von Julian Nida-Rümelin zum Thema Ökonomie und Ethik:

    http://wissen.dradio.de/wirtschaftsphilosophie-oekonomie-und-ethik.88.de.html?dram:article_id=14429

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